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Festspielzeit Frühling 2016

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Das Magazin der Bregenzer Festspiele

DAS LETZTE STÜNDLEIN

DAS LETZTE STÜNDLEIN 28

Das letzte Stündlein Ein Rundgang durch die Bregenzer Oberstadt Turandot lässt auf der Seebühne reihenweise Männer köpfen. Ein paar hundert Meter Luftlinie entfernt steht der Martinsturm, an dessen Außenwand noch heute eine Henkersglocke baumelt. In der Kapelle des Turms stellt ein Fresko die Heilige Kümmernis dar, die wie Turandot alles dafür tat, um ihren Freier loszuwerden. Und dafür selbst ans Kreuz genagelt wurde. DIE BREGENZER OBERSTADT Die Bregenzer Oberstadt ist malerisch. Noch heute wird sie von der mittelalterlichen Festungsmauer fast durchgehend umschlossen. Sie befindet sich auf einem Plateau über dem Stadtkern, das auf drei unterschiedlichen Wegen erreichbar ist. Einer dieser Wege führt durch das mittelalterliche Tor, unter einem Fallgitter hindurch. Ein bei Touristen ebenso beliebter Weg ist die Meißner-Stiege. Die schmale Treppe wird von hohen Mauern flankiert, hinter denen die Gärten der Oberstadt liegen. Eine kleine Brücke verbindet die Grünflächen miteinander, im Sommer ist sie von Rosen bewachsen. Und der dritte Weg ist eine Straße, die vor dem heutigen Bundesdenkmalamt endet. Das Gebäude diente bis in die 70er-Jahre des vorigen Jahrhunderts als Gefängnis. Wurde ein Delinquent zur Richtstätte geführt, so läutete die Henkersglocke im Martinsturm, der nur wenige Schritte entfernt ist. Die Glocke baumelt heute noch an seiner Außenwand. Die Todesstrafe ist abgeschafft, doch das Arkadengeschoss des Martinsturms gibt einen Blick auf das Festspielhaus frei, auf dessen Seebühne die Prinzessin Turandot auch in diesem Sommer wieder reihenweise Männer köpfen lässt. ZWEI PRINZESSINNEN UND IHRE FREIER Die Geschichte der unnahbaren Prinzessin weist Ähnlichkeiten zu einer Legende auf, in deren Mittelpunkt die Heilige Kümmernis steht. Eine Darstellung von ihr ist in der Martinskapelle zu sehen, deren Altarraum sich im unteren Teil des Turms befindet. Wie Turandot war auch Kümmernis die Tochter eines mächtigen Souveräns. Dieser wollte seine Tochter mit einem Heiden vermählen. Kümmernis bat ihn in- 29 ständig darum, davon abzusehen, doch der Alte war nicht umzustimmen. In ihrer Verzweiflung flehte sie Gott an, er möge sie so weit verunstalten, dass sie für eine Vermählung nicht mehr in Frage kam. Ihre Bitte wurde erhört, der Kümmernis wuchs über Nacht ein dichter Bart. Wegen dieser Verwandlung war ihr Vater derart zornig, dass er seine Tochter ans Kreuz schlagen ließ. Kümmernis starb als Märtyrerin. Doch die Legende endet hier noch nicht. Denn eines Tages fand sich vor dem Bildnis der Heiligen ein Spielmann ein, der in Not geraten war. Er fiedelte zu ihren Füßen, und die Heilige Kümmernis ließ als Belohnung einen kostbaren Schuh fallen. Froh und vergnügt zog der Spielmann seines Weges, aber es dauerte nicht lange, bis er des Diebstahls verdächtigt und zum Tode verurteilt wurde.

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