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Festspielzeit Winter 2017

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Das Magazin der Bregenzer Festspiele

DIE BÜHNE IM AUGE Die

DIE BÜHNE IM AUGE Die Bregenzer Seebühne überwältigt mit ihrer schieren Dimension, in Relation dazu sind die Akteure eher klein – worin besteht für den Fotografen Ralph Larmann in dieser Wechselbeziehung von Technik und Mensch das Herausfordernde? Ralph Larmann: Mein Blick richtet sich nahezu immer auf die Gesamtinszenierung, wobei ich mit meinen langen Brennweiten natürlich auch die Details ablichte. Aber ich bin kein technikaffiner Fotograf, mir geht es um das kreative Element. Wie Es Devlin diese Bühne hier gestaltet hat, das ist eben ihre fantastische Bildsprache. Sie hat ihre eigene Art und Weise, einem Bühnenbild Energie und Kraft zu geben. Meine Intention ist ganz klar, die Energie der Inszenierung in meinen Fotografien zu dokumentieren und dem Betrachter – auch wenn er nicht da war – zu ermöglichen, diese Energie in jedem Bild selbst zu erfahren. Zu welchem Zeitpunkt fotografieren Sie eine Seeaufführung? Für Carmen war ich fünf Tage in Bregenz. Es gibt die Fotogeneralproben, aber ich habe auch schon zuvor fotografiert, als noch ein Baukran neben der Bühne stand. Wir haben uns kurzerhand entschlossen, dass ich mich in den Krankorb setze, und mit diesem bin ich dann quasi um die Bühne herum und über die Bühne hinweggeflogen. Dabei sind ganz fantastische Bilder entstanden, die sie sonst in dieser Form nicht erstellen können. Auch mit einer Drohne nicht. Womit bringen Sie sich für so einen Job auf Touren? Braucht es beispielsweise jede Menge Espressi, bevor es an die Umsetzung geht? Mich treibt die Arbeit selbst an. Ich bin ein leidenschaftlicher Fotograf, ich liebe das, was ich tue! Das hat wohl auch dazu geführt, dass ich international derart wahrgenommen werde. Nach einem Bildband mit der Band U2 im Jahr 2011 veröffentlichte ich im Oktober dieses Jahres auch den ersten offiziellen AC/DC-Bildband gemeinsam mit der Band. Aber auch für Ed Sheeran, Robbie Williams oder Metallica war ich in diesem Jahr bereits unterwegs. Das ist alles eine unglaublich schöne, von positiver Energie geprägte Arbeit und durchaus auch recht privilegiert. Aber ich sehe mich da nicht als Starfotograf. Meine Bildsprache spricht die Menschen offensichtlich an, das ehrt mich sehr. Meine Fotografien finden statt, und das macht mich sehr glücklich! Sie zählten jetzt Rock- und Poplegenden auf. Sind Bregenz und klassische Musik demnach ein Einzelfall? Das ist ganz unterschiedlich. Ich ziehe hier keine Grenzen. Zum Beispiel habe ich auch Lang Lang auf einer Open-Air-Tournee begleitet oder mit Jonas Kaufmann und Anna Netrebko gearbeitet. In der Rockund Popmusik liegen einfach mehr Fotodokumentationen an, da mehr Produktionen auf Tournee sind. Und bei der klassischen Musik ist es ja auch so, dass während der Inszenierungen sehr oft Fotografie gar nicht zugelassen ist. Ich habe allerdings seit 2015 den großen Vorteil, mit spiegellosen Sony-Vollformat-Kameras zu arbeiten, die komplett lautlos agieren. Da gibt es keinen lästigen Spiegelschlag. Meine Philosophie ist: Ich nehme das bestmögliche Equipment für meine Arbeit und was für meine Fotografie am förderlichsten ist. Da bin ich konsequent. Wann haben Sie die Bregenzer Festspiele das erste Mal wahrgenommen? Das war im Rahmen eines Bodensee-Urlaubs mit meiner Familie. Ich glaube, ich sah damals das Bühnenbild der West Side Story. Und wie kam es zur beruflichen Zusammenarbeit? 2006 bin ich für Recherchen zu meinem Bildband »Stage Design«, in dem ich 30 Bühneninszenierungen aus der ganzen Welt dokumentiert habe, das erste Mal nach Bregenz gefahren. Die Bregenzer Festspiele sind mir so sehr aufgefallen, dass ich unbedingt nach Bregenz reisen musste. Das war der Auftakt. Seither bin ich ein absoluter Bregenz-Fan. Für mich ist die Bregenzer Seebühne schlicht und ergreifend die schönste Open-Air-Bühne der Welt. Es gibt nichts Vergleichbares – und ich durfte bereits einige Bühnen dieser Welt in Augenschein nehmen. Zugleich ist für mich die Atmosphäre der Bregenzer Festspiele einzigartig. Was ist Ihr Equipment? Ich reise mit acht Kameras an. Davon setze ich vier als Handkameras ein, entweder am Körper oder auf Stativen, die anderen vier installiere ich im Raum und löse sie über Funk aus. Dazu noch die entsprechenden Objektive … ich habe so rund 30 Kilo Equipment dabei. 18

Carmen aus der Sicht der Künstlerinnen und Künstler – Ralph Larmanns Fotografien lassen die Betrachter ungewohnte Blickwinkel erleben. INTERVIEW RALPH LARMANN Welche Idee steht hinter der Reihe »Stage Design«? Ich komme ja aus der Musik, habe Popularmusik mit dem Hauptfach Schlagzeug studiert und bin dann in den Musikjournalismus gegangen, habe für Fachmagazine gearbeitet, und zudem im Produktionsbereich. Mir ist dabei aufgefallen, dass sich weltweit kein Fotograf dem umfassenden Thema »Bühne« intensiv widmet. Oft werden nur die Gesichter der Akteure gezeigt, es werden die Künstler gezeigt, aber die Gesamtinszenierung, so finde ich, ist visuell mindestens genauso spannend. Ein Gedanke, der schließlich die Bregenzer Festspiele überzeugte. Axel Renner (Kommunikationsleiter, Anm.) hat meine Arbeit so gefallen, dass er meinte: Wir hätten gerne, dass Sie für uns einige Dinge direkt erstellen; man wolle meine fotografische Herangehensweise in Zukunft für die Kommunikation der Festspiele nutzen. Das hat mich wirklich überaus erfreut. Seit der Zauberflöte fotografiere ich nun auch im Auftrag der Bregenzer Festspiele. Nach Bregenz zu kommen, ist für mich jedes Jahr aufs Neue etwas ganz Besonderes und hat einen sehr hohen Stellenwert in meiner Arbeit als Fotograf. Sie studierten Musik, wie kommt man da zur Fotografie? Ich bin schon immer ein sehr interessierter, offener Mensch und Musiker. Ich habe Anfang der 80er-Jahre den Journalismus für mich entdeckt und wollte für meine Artikel von Anfang an selbst die Bilder machen: die Dinge so dokumentieren. wie ich sie sehe. Mittlerweile habe ich rund 20 Bücher realisiert und unzählige Dokumentationen erstellt. Das ist etwas, was man Lebensinhalt nennen kann. Mehr als diesen Status, so ein Lebensgefühl und eine derartige Schaffensfreiheit kann man eigentlich gar nicht erreichen. Das macht mich zu einem sehr glücklichen und zufriedenen Menschen. 19 RALPH LARMANN studierte Popularmusik mit dem Hauptfach Schlagzeug, bevor er sich später der Fotografie und dem Journalismus zuwandte. Als freier Fotograf ist der Deutsche seit rund 25 Jahren auf den spektakulärsten Bühnen und Events der Welt unterwegs.

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