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Festspielzeit Frühling 2017

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Das Magazin der Bregenzer Festspiele

VORARLBERGER

VORARLBERGER LANDESTHEATER Yael Ronen – Therapeutin mit »Situation«- Hintergrund Dramaturgin Irina Szodruch über Yael Ronens Arbeit und die Entstehung von The Situation 14

Bei Shermin Langhoff, der Intendantin des Maxim Gorki Theaters, hängt ein Kunstwerk von Silvina Der-Meguerditchian, auf dem steht »Dert var gelir geçer, dert var deler gider« – Es gibt Sorgen, die kommen und gehen und es gibt Sorgen, die kommen, hinterlassen ein Loch und gehen dann. Diese Löcher untersucht Yael Ronen in ihren Stücken. Das tut sie wie eine Therapeutin, eine Schamanin, eine Vermittlerin zur Geisterwelt, die spirituelle Fähigkeiten zur Heilung besitzt. Ihre Proben sind Prozesse, in denen sich die Beteiligten ihren Geistern stellen, den Geistern, die besagten Löchern entspringen. Sie schreckt nicht davor zurück, offene Wunden bei sich selbst sowei bei den Schauspielern und Schauspielerinnen zu berühren, denn sie weiß, erst die Berührung kann Heilung bewirken. Die Theaterstücke, die in diesen Prozessen entstehen, werden von Yael Ronen gern als Nebenprodukte bezeichnet. Dies ist nicht kokett, denn meistens sind wir wirklich überrascht, dass zum Premierentermin ein Stück auf der Bühne steht. Denn im Vordergrund steht für Yael Ronen immer der Arbeitsprozess, bei dem alle Beteiligten etwas Neues über sich selbst und die Welt herausfinden sollen. Er soll eine Tür in unserem Leben öffnen, die sich nie wieder schließen lässt. Wie entsteht nun ein Stück von Yael Ronen? Wie entstand The Situation? Es ist kaum zu glauben, aber die Probenarbeit von Yael Ronen beginnt mit nichts außer einem Gedanken, einem Titel und einer Gruppe. Sie will in ihrer Arbeit wirklich wissen, was andere denken, fühlen und wie sie die Welt erleben. Sie stellt dabei einfache direkte Fragen, die die Schauspieler und Schauspielerinnen provozieren, große, komplexe, private Geschichten zu teilen. Meist erzählt sie als Erste ihre peinlichsten und unangenehmsten Erfahrungen. So schafft sie einen sicheren Raum, in dem über die intimsten Dinge gesprochen werden kann. Common Ground, das Yael Ronen und Ensemble 2013 am Maxim Gorki Theater entwickelten, erzählt ausgehend von einer gemeinsamen Reise nach Bosnien von den Wunden, die die Kriege im ehemaligen Jugoslawien in Biografien von Berlinern hinterlassen haben. Was bei Dritte Generation – entstanden für das Festival Theater der Welt in Halle 2008 – Glück und Zufall und Intuition war, war nun Methode und mit der gingen wir auch an The Situation heran, wobei die Recherchereise dieses Mal nach Berlin- Neukölln führte. Jedes Projekt braucht seine Initiation. Yael Ronen und der palästinensisch-israelische Schauspieler Yousef Sweid zogen 2013 mit dem gemeinsamen Sohn aus Israel nach Berlin in die Neuköllner Weserstraße. Eines Tages tropfte Wasser durch die Decke, Yousef klingelte mit seinem 15 Sohn bei den Nachbarn, die Handwerker waren schon da. Es waren Berliner Palästinenser. Yousef konnte das Problem also unkompliziert auf Arabisch mit ihnen besprechen. Kompliziert wurde es, als sein Sohn ihn auf Hebräisch fragte, was los sei und er sich genötigt fühlte, den Handwerkern zu erklären, warum sein Kind Hebräisch und kein Arabisch spricht. Als einer der Handwerker wiederum erklärte, der Besitzer des Hauses sei Israeli, wurde es für Yousef noch komplizierter, denn solche Situationen waren ein Grund, weshalb die Familie von Tel Aviv nach Berlin gezogen war. Nun begegneten sie ihm in Berlin aufs Neue. Yael Ronen zählt zu den aufregendsten Theaterschaffenden in Israel. Ihre größte Provokation: schwarzer Humor und Umgang mit historischen Konflikten. THE SITUATION

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