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Festspielzeit Frühling 2017

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Das Magazin der Bregenzer Festspiele

BREGENZER FESTSPIELE

BREGENZER FESTSPIELE Boote und kleine Schiffe, nach Süden und nach Norden. Oder ertranken. Keiner weiß, wie viele es waren. Die Kämpfer und Terroristen gelten heute, auf beiden Seiten, als Helden. Über den Grundmauern eines arabischen Wohnhauses erhebt sich ein Museum, das den jüdischen »Helden« der Zerstörung von Jaffa gewidmet ist. Die Heldenlegenden leben auch auf der anderen Seite fort. Aber der Kampf war damals ein ungleicher. Vielleicht weil die einen, gerade gerettet von der größten denkbaren Katastrophe, nichts mehr zu verlieren hatten? Jaffa ist zerstört, doch die Bilder dieser Zerstörung, wenn sie überhaupt je wahrgenommen wurden, verblassen hinter den Zerstörungen der Gegenwart. Im Jeder-gegen-Jeden der Konflikte, deren Schatten heute in den Abendnachrichten auf dem Bildschirm flimmern, ist nicht mehr auszumachen, von wem eigentlich die Gewalt ausgeht. Für die Beteiligten ist im Zweifelsfalls klar, dass die Schuldigen daran immer die anderen sind – und natürlich die europäischen Mächte, die sich den arabischen Raum, den Nahen Osten, wie er aus der europäischen Perspektive so bezeichnend heißt, im beginnenden 20. Jahrhundert aufteilten, als das Osmanische Reich zerfiel. Frankreich und England ahnten schon, dass sie sich an diesem gigantischen Kuchen verschlucken würden, von Kolonien wollten sie schon nichts mehr wissen, stattdessen verlegte man sich darauf, ein Spiel mit Marionetten zu beginnen. Und als klar wurde, dass auch das zum Scheitern verurteilt sein würde, war es schon lange zu spät. Die Puppen tanzten, und sie tanzten nach einem Rhythmus, den sie selbst am besten kannten, dem Rhythmus der Intrige und der Stammesloyalitäten, mit denen es auch schon die osmanische Herrschaft zu tun hatte. Am Strand von Tel Aviv, am »Tel Aviv Beach«, mit seinem weiß geputzten Strand und seinen Baywatch-Schönlingen, ist das alles gut zu verdrängen. Die Flüchtlingsschiffe der Gegenwart legen hier weder an, noch brechen sie von hier aus auf. Die israelische Gesellschaft steckt fest im Patt zwischen ihrer Utopie eines »jüdischen Staates« und ihrer Realität einer multikulturellen Gesellschaft. Deren nichtjüdischer Teil wächst und wächst und wächst, genauso wie ihr religiöser Teil, aus allen Richtungen. Weniger werden nur jene, für die der »Tel Aviv Beach« und die Büros der internationalen Corporations dahinter die eigentliche Welt darstellen. Und die irgendwann einmal vielleicht an einem anderen Strand weiterleben werden. Jüdische und arabische Israelis, Juden und Palästinenser, wie auch immer man die Menschen zwischen dem Jordan und dem Mittelmeer voneinander unterscheiden will, sie treffen sich inzwischen lieber in Europa – wenn sie sich denn treffen wollen. Und sie treffen dort auf jene Menschen, die anderswo an irgendeinem nächtlichen Strand in Ägypten oder Libyen seeuntaugliche Schlauchboote besteigen, deren Besitzer sich nicht die Mühe machen, ihnen pathetische Namen wie »Exodus« zu geben. Und deren Passagiere von Push- und Pull-Faktoren aller Art getrieben werden, die keinen großen Mythos brauchen. Da wo sie sind, ist es unerträglich, und sie haben keine Zeit mehr, darüber nachzudenken, ob es an korrupten Stammesfürsten oder an internationalen Intrigen, religiösen Fanatikern oder politischen Allmachtsfantasien liegt. Sie haben keine Perspektive, weder wirtschaftlich noch politisch, weder sozial noch kulturell, weder als »Ethnie« noch als religiöse Minderheit. Ja, sie haben nicht einmal eine Perspektive als Angehörige irgendeiner Mehrheit, die nur dann eine Mehrheit ist, wenn die Grenzen, die irgendjemand gezogen hat, darauf zufällig Rücksicht nehmen. Dass die Städte, aus denen sie kommen, wenn sie denn überhaupt aus Städten kommen, nun schon zum wiederholten Male in ihrer oft so langen Geschichte dem Erdboden gleichgemacht werden, lässt ihre Hoffnung auf Rückkehr nicht wachsen. 2015: Ein Schlauchboot mit Flüchtlingen vor der Küste Griechenlands In dieser unübersichtlichen Welt ist die Geschichte von Moses, dessen Weidekörbchen friedlich auf den Wellen schaukelt, ein matter Trost. 8

AUS DEM SPIELPLAN ZUM THEMA »DIE EINZIGE ERFAHRUNG, DIE ICH NICHT BESCHREIBEN WERDE.« OPER IM FESTSPIELHAUS VORARLBERGER Virginia Woolf über den Tod (1926) MOSES IN ÄGYPTEN Gioachino Rossini Die biblische Erzählung vom Auszug des israelitischen Volkes aus Ägypten – und eine verborgene Liebesgeschichte zwischen dem Sohn des Pharaos und einer Hebräerin. Premiere 20. Juli 2017 – 19.30 Uhr Vorstellungen 23. Juli – 11.00 Uhr LANDESTHEATER THE SITUATION Yael Ronen & Ensemble Fünf Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten – Israel, Palästina, Syrien. Bislang hielt der Konflikt ihr Leben auseinander, nun treffen sie in einem Berliner Deutschkurs aufeinander. Premiere 26. Juli 2017 – 19.30 Uhr Vorstellung Die Bregenzer Festspiele trauern um den Regisseur, Autor und Librettisten Ernst Marianne Binder, der am 27. Jänner 2017 im Alter von 64 Jahren unerwartet gestorben ist. Der 1953 in Feldbach (Steiermark) geborene Künstler schrieb das Libretto und arbeitete am Regiekonzept für die Festspiel-Auftragskomposition To the Lighthouse nach Virginia Woolfs gleichnamigem Roman, deren Uraufführung für diesen Sommer vorgesehen ist. IN MEMORIAM 31. Juli – 19.30 Uhr | Festspielhaus MUSIK & POESIE MIDDLE EAST PEACE ENSEMBLE In diesem Konzert vereinen sich die Kulturen: Gespielt wird traditionelle arabische und 27. Juli – 19.30 Uhr | Vorarlberger Landestheater MUSIK & POESIE MOSES Michael Köhlmeier erzählt Texte zu den Themen Moses, Monotheismus und Religion. Die Mezzosopranistin Dalia Das Werk soll auf dem Spielplan bleiben, wie Intendantin Elisabeth Sobotka erklärt: »Es ist unglaublich traurig, dass Ernst viel zu früh von uns gegangen ist, aber tröstlich, dass er uns dieses Stück hinterlassen hat. Es ist ohne Zweifel in seinem Sinne, das Stück zur Aufführung zu bringen.« Am 16. August 2017 soll es so weit sein. Die Regie übernimmt Olivier Tambosi. jüdische Musik, kombiniert mit Schaechter begleitet den Abend zeitgenössischen Stücken aus mit jiddischen und israelischen unterschiedlichen Ländern. Liedern. Vorstellung Vorstellung 23. Juli 2017 – 19.30 Uhr | 30. Juli 2017 – 19.30 Uhr | Seestudio Seestudio KUNSTHAUS BREGENZ KONZERT IM KUB Der polnische Geiger Paweł Zalejski widmet sich der großen Tradition jüdischer Volksmusik. Vorstellung 25. Juli 2017 – 21.00 Uhr | Kunsthaus Bregenz 9

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