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Festspielzeit Frühling 2018

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Das Magazin der Bregenzer Festspiele

Maestro zwischen

Maestro zwischen Opportunismus und Faszination ORCHESTERKONZERTE Leicht federnd mit dem Taktstock, vermittelt er den [Wiener] Symphonikern inspiriert, voll Hingabe Geist und Größe dieser Musik. Böhms schwingendes Musizieren beglückt die Zuhörer, weil es frei von jedem Krampf ist.« Diese Worte waren in den Vorarlberger Nachrichten über den Dirigenten Karl Böhm und sein letztes Konzert mit Ludwig van Beethovens neunter Symphonie zur Einweihung des Bregenzer Festspielhauses 1980 zu lesen. Mehrere Veranstaltungen im kommenden Sommer werden diese bedeutende und umstrittene Persönlichkeit des deutschsprachigen Musiklebens thematisieren. Erinnerungen an Karl Böhm bei den Orchesterkonzerten musikalischen Kontrasten zwischen aufwühlenden Orchesterschlägen und zarten Kantilenen wird Gérard Korsten am Pult des Symphonieorchester Vorarlberg Beethovens zweite Symphonie einleiten. Mit Der Rosenkavalier schufen Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal eine einzigartige Hommage an das Zeitalter Maria Theresias. Böhm dirigierte diese Oper sowohl an der Wiener Staatsoper als auch bei den Salzburger Festspielen. Die orchestrale Suite verbindet elegant die wichtigsten Melodien des Werks und wird in Bregenz von den Wiener Symphonikern unter der Leitung von David Afkham gespielt werden. Bei seinem Bregenz-Debüt lässt der Dirigent auf Strauss' melancholischen Blick Maurice Ravels Abgesang auf den Walzer in seinem mitreißenden La Valse folgen. Auf dem Programm von drei Orchesterkonzerten stehen Werke Beethovens und Richard Strauss', deren Interpretationen im 20. Jahrhundert Karl Böhm maßgeblich prägte. Insgesamt viermal war der 1894 in Graz geborene Dirigent am Pult der Wiener Symphoniker in Bregenz zu erleben, jedes Mal mit einem Werk Beethovens. Vor siebzig Jahren, im August 1948, gastierte Böhm zum ersten Mal bei den Bregenzer Festspielen. Beethovens fünfte Symphonie leitete Böhm 1955, dessen zweite 1959. Nun wird die in New York City geborene Dirigentin Karina Canellakis die berühmten Orchesterschläge zu Beginn der fünften Symphonie entfachen. Mit ihren 14

Karl Böhm wird gern zugeschrieben, Alban Bergs Oper Wozzeck ins Repertoire gebracht und sich für zeitgenössische Komponisten eingesetzt zu haben. 1951 gelang es ihm, gegen den Widerstand der Politik Wozzeck bei den Salzburger Festspielen aufzuführen und 1953 die Uraufführung von Gottfried von Einems Der Prozess zu dirigieren. Allerdings hatte bereits 1927 der Komponist Berthold Goldschmidt, der als musikalischer Berater des Intendanten in Darmstadt tätig war, für das dortige Opernhaus die zweite Inszenierung von Wozzeck nach der Berliner Uraufführung vorgeschlagen. Der damalige Generalmusikdirektor in Darmstadt, Karl Böhm, rügte den Mitarbeiter am nächsten Tag: »Da ham's dem Professor a schönen Floh ins Ohr g'setzt«, wie sich Goldschmidt Jahrzehnte später erinnerte. »Die Oper kann man doch nicht machen! Das würde unseren Betrieb auf Jahre hinaus lahmlegen. Überhaupt, die ganze Richtung ist doch …« Der Komponist der Oper Beatrice Cenci zeichnet somit ein anderes Bild von Karl Böhm: »Aber nach dem Krieg maskierte er sich plötzlich als der Förderer von Alban Berg – der große österreichische Komponist Alban Berg und der große österreichische Dirigent Karl Böhm – so lief die Propaganda bei den dann einsetzenden Plattenaufnahmen und Aufführungen.« Ganz ohne Propaganda wird ein österreichischer Komponist unserer Zeit im kommenden Sommer bei den Bregenzer Festspielen zu erleben sein. Der in Tirol lebende Pianist und Komponist Thomas Larcher schreibt für die Werkstattbühne seine erste Oper nach der japanischen Erfolgsnovelle Das Jagdgewehr. Im Orchesterkonzert gelangt Karl Böhm (links) stand bei der Eröffnung des Festspielhauses im Juli 1980 am Dirigentenpult der Wiener Symphoniker. Das Bild zeigt ihn bei einer Probe mit Festspielpräsident Albert Fuchs und Festspieldirektor Ernst Bär. ein weiteres Werk für Gesang und Orchester zur österreichischen Erstaufführung: Alle Tage, eine Symphonie für Bariton und Orchester auf Texte von Ingeborg Bachmann. Exemplarisch für Larchers Schaffen ist die Zusammenarbeit mit dem britischen Tenor Mark Padmore, der eine Hauptrolle in Das Jagdgewehr singen wird. Für ihn schrieb Larcher A Padmore Cycle auf Texte von Hans Aschenwald und Alois Hotschnigg. Zu hören ist dieser Zyklus bei einem Abend von Musik & Poesie. In dieser Reihe war bereits vor einigen Jahren der österreichische Autor Paulus Hochgatterer zu Gast. Nun schrieb er ein Theaterstück über Karl Böhm für den Regisseur, Puppenbauer und -spieler Nikolaus Habjan, der 2016 das Bregenzer Publikum als Kunstpfeifer und mit seinen Puppen für die Uraufführung Staatsoperette – Die Austrotragödie begeisterte. Karl Böhm und zahlreiche weitere Figuren werden von Habjan allein auf der Bühne gespielt werden. Hochgatterers Text zeigt den Dirigenten als Profiteur des nationalsozialistischen Regimes, aber auch als faszinierenden Musiker. Mit dieser Faszination eroberte er bei seinem letzten Auftritt am Bodensee auch das Publikum, wie Die Presse schrieb: »Zuletzt schlug ein Meer von Begeisterung, Liebe und Verehrung über dem greisen Maestro zusammen, der Bundespräsident selbst gab das Zeichen zu einer großen ›Standing Ovation‹ des Publikums.« Das detaillierte Programm der Orchesterkonzerte finden Sie in der Spielplanübersicht in der Heftmitte. Die Orchesterkonzerte werden präsentiert von 15

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