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Festspielzeit Frühling 2019

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Das Magazin der Bregenzer Festspiele

SPIEL AUF DEM SEE

SPIEL AUF DEM SEE GENESIS AUF DER SEEBÜHNE Gott schuf die Welt bekanntlich in sieben Tagen, und zwar alleine. In Bregenz brauchen sie dafür etwas länger: Von der ersten Idee bis zur spielfertigen Bühne dauert es drei bis vier Jahre, und viele Menschen sind daran beteiligt, auf dem See neue Welten zu erschaffen, die Jahr für Jahr Tausende von Zuschauern in ihren Bann ziehen.

GENESIS AUF DER SEEBÜHNE Stück für Stück setzt sich das neue Bühnenbild für Verdis Rigoletto zusammen. Am Anfang schied Gott Himmel und Erde, Tag und Nacht, dann hieß er das Wasser sich sammeln und schuf so das Land. Beides bildet die Ausgangssituation der Bregenzer Bühnen: ein Naturraum, eine Landschaft – Wasser, Wolken, Himmel, »die ultimative Leinwand«, wie vergangenes Jahr Carmen-Bühnenbildnerin Es Devlin meinte, »von der alle Bühnenbildner träumen«. Hier, in der fast leeren Bucht, fängt alles an: mit einem im See vorgelagerten Betonquader, in dem Garderoben und Technikräume untergebracht sind. Was das Bühnenbild darüber hinaus erfordert, wird über dem Wasser neu errichtet. Im Laufe von siebzig Jahren Spiel auf dem See gibt es fast nichts, was an Technik nicht zum Einsatz gekommen wäre: von Pfahlbauten aus Holz bis zu Stahlkonstruktionen, Unterwassergeleisen für Kulissenfahrten von Zauberhand, LED-Wänden, pyrotechnischen Effekten, festen und schwimmenden Drehbühnen, frei fahrenden oder an Seilzügen geführten Schiffen, Pontons, Flößen – faszinierende Effekte, wenn eine fünf Meter große Hand durchs Wasser gleitet oder die chinesische Mauer über dem See einstürzt. »Alle Menschen sind empfänglich für Surreales«, ist Es Devlin überzeugt. Mit den technischen Möglichkeiten wuchsen die Fantasien der Bühnenbildner und der Ehrgeiz der Techniker, deren künstlerische Visionen zu verwirklichen: »Ich kenne keinen anderen Ort der Welt, der solche Möglichkeiten bietet wie die Technik hier, diese wunderbare ›Bitte fordert 5 uns heraus!‹-Mentalität gibt's nur hier.« Ähnlich wie Johannes Leiacker (Spiel auf dem See Tosca, 2007|08) äußern sich alle Bühnenbildner und betonen, dass die Bregenzer Technikmannschaft nicht »nur« umsetzt, sondern an der Kreation der Bühnen mitwirkt, die ja für jede Produktion komplett neu entstehen – seit Jerôme Savarys legendärer Zauberflöte 1985 im Zweijahrestakt. Mit der Nachhaltigkeit stiegen auch die Anforderungen an die Haltbarkeit der Bühnenbauten. Sie müssen tiefe Minusgrade im Winter und Temperaturen bis über dreißig Grad im Sommer aushalten, Sonne, die Farben ausbleicht, Schneelasten bis 250 Kilogramm pro Quadratmeter. Wind und Wetter, Wolken und Sturm strapazieren diese Bühne und entfesseln gewaltige Kräfte aus wechselnden Richtungen; Statiker und Geotechniker errechnen Windlasten

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