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Festspielzeit Frühling 2020

SPIEL AUF DEM SEE 2021

SPIEL AUF DEM SEE 2021 Im übertragenen Sinne: Was rastet, das rostet … Was bedeutet die heurige Absage der Festspielsaison für die Technik, speziell für die Seebühne? Wolfgang Urstadt (holt einen dicht beschriebenen A3-Bogen hervor): Wir haben hier so ein schönes Papier, in dem drinsteht, was wir alles zu tun haben … Ein »Corona-Papier«, sozusagen? Ja, wir haben damit schon begonnen, als die Absage der diesjährigen Festspielsaison als eine der Möglichkeiten im Raum stand. Wir müssen natürlich anschauen, in welchem Zustand unser Rigoletto ist. Er ist ja für anderthalb Jahre im See gebaut, jetzt wird er ein Jahr länger stehen. Wir erwarten eigentlich nicht, dass da etwas Großartiges gemacht werden muss. Aber wir müssen es überprüfen. Dafür werden wir auch Ziviltechniker und Firmen mit ins Boot holen, die am Bühnenbild mitgearbeitet haben, und miteinander beratschlagen, wie man damit umgeht. Das ist jetzt gerade unsere Aufgabe. Muss man, um es laienhaft auszudrücken, einmal im Monat die ganze Maschinerie hochfahren? haben wir ein wenig »trainiert«, weil der Hersteller aufgrund der Antriebstechnik gemeint hat, das wäre gut. Der Plan für diesen Sommer ist eine komplette Inbetriebnahme der Rigoletto-Bühne, alle Bewegungsabläufe sollen durchgegangen werden. In der kalten Jahreszeit werden wir nichts damit machen. Wir haben sehr viel Hydraulik eingebaut, und die Hydraulik mag es nicht, wenn es Richtung Gefrierpunkt geht. Ein solches Bühnenbild ist nicht für die Ewigkeit geschaffen. Muss denn alles neu gestrichen werden? Im Prinzip gilt Ähnliches. Gibt es gewisse Schäden, die wir reparieren müssen? Auch wenn wir dieses Jahr gespielt hätten, hätten wir manches farblich noch einmal überarbeitet. Das werden wir auf nächstes Jahr verschieben. Wie sieht es mit dem Ballon aus, den der Clown im Sommer in seiner linken Hand hält? Da hätten wir am 22. Mai den Termin zur Inbetriebnahme gehabt. Jetzt ist er eingemottet. Eigentlich sind es zwei Hüllen, weil der Ballon ein so wichtiges Spielelement ist. Denn wenn uns eine kaputtgeht, bräuchte es vier bis sechs Wochen, bis sie nachproduziert wäre. Und ein Ballon braucht eine Art TÜV-Pickerl. Die Hülle, die letztes Jahr verwendet wurde, ist gerade zur Überprüfung in England. Sobald alles wieder da ist, werden wir den Ballon im Herbst wieder aufblasen, aber indoor und nicht mit Helium, sondern mit Luft. Dann wird auch der Leuchtkörper im Inneren wieder installiert. Rigoletto muss jetzt erstmal ruhen und Madame Butterfly warten. Da war für 2021 ja schon sehr viel vorbereitet. Wie geht man mit dieser Verschiebung um? Natürlich werden wir mit allen Firmen Kontakt aufnehmen, aushandeln, wie man damit umgeht, und miteinander Lösungen finden. Die meisten Firmen waren zumindest schon in ihrer Werkstattplanung, teilweise wurden bereits kleine Versuchsbauteile gebaut. Anderes muss man zeitlich verschieben. Das klingt nach vielen Telefonaten, vielen Video-Chats … Das ist im Moment ein großer Block (deutet auf dem A3-Bogen auf einen großen Bereich). Es geht natürlich immer auch um Geld, wenn Projekte verschoben werden. Es gibt einen Baupreisindex und klar, wenn Zulieferer Material einkaufen, müssen sie mit den Kosten irgendwie umgehen. Wie groß ist das Verständnis? Wir müssen ja alles im Rahmen des Bundesvergabegesetzes machen, nur: Diese Situation steht nicht im Gesetz. So tun sich alle ein bisschen schwer, auf bestimmte Fragen Antworten zu geben. Mit allen reden und mit allen gemeinsame Lösungen zu finden, ist für einen solchen Ausnahmefall das Beste. Das tun wir auch. Die Alternative wäre, man hebt alle Verträge auf und schreibt neu aus. Das will aber keiner. Kommen wir zur Oper im Festspielhaus 2021, Nero. Wie weit waren hier die Vorbereitungen? Speziell wegen der sehr komplexen Technik bei Rigoletto haben wir uns schon im vergangenen Jahr damit auseinandergesetzt und uns dafür entschieden, möglichst wenige bis gar keine Bewegungen zu fahren, weil das von allen Herstellern als beste Variante empfohlen wurde. Die Hand Was ist denn das heikelste Teil der Seebühne? Weil da so viel Maschinenbau und Gewerke zusammenkommen, würde ich nach wie vor den Kopf als heikelsten Teil sehen. Das ist bei uns Menschen ja auch so. Um keine Zeit zu verlieren, haben wir in der Technik auch nach dem Lockdown noch ein wenig weiterproduziert. Im Moment sind die Werkstätten zu, das Licht ist aus. Ich mache meinen täglichen Rundgang, aber es sind aufgrund der aktuellen Situation nur sehr wenige 12

Leute im Festspielhaus. Es ist alles schon ein wenig deprimierend. Auch für Nero verifizieren wir, wann der richtige Zeitpunkt ist, wieder an die Arbeit zu gehen. Wir müssen rechnen, wirtschaftlich diese Phase zu übertauchen, schließlich fehlt uns auch bei der Auslastung unserer Werkstätten eine Saison. Abschließende Frage: Gibt es etwas, was man für den gesamten technischen Bereich aus der Corona-Situation lernen kann? Ich merke, wie flexibel der Betrieb insgesamt ist und wie unterstützend alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gegenüber dem Betrieb sind. Ich sehe, wie wichtig die Kommunikation auch in ihre Richtung ist und dass man sie auch für gute Zeiten noch intensivieren sollte. Was die technischen Abläufe, die ganzen Vorarbeiten angeht: Wir versuchen ja immer, unsere Arbeitsweise an Dinge, die nicht so gut gelaufen sind, anzupassen. Doch schwupps, beim nächsten Mal passiert etwas ganz anderes. Natürlich haben wir überlegt: Müssen wir etwas einbauen für den Fall, dass so etwas wieder passiert? Ich glaube, das Wichtigste ist in der Situation, besonnen zu überlegen und zu handeln und mit den Leuten zu sprechen. Man kann nicht alles absichern. RIGOLETTO Das Spiel auf dem See wird präsentiert von 13

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