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Festspielzeit Frühling 2021

Das Magazin der Bregenzer Festspiele

SPIEL AUF DEM SEE Sie

SPIEL AUF DEM SEE Sie sind den Bregenzer Festspielen seit langer Zeit verbunden, ganz besonders im italienischen Fach. 2005 standen Sie als Il conte di Luna in Der Troubadour das erste Mal auf der Seebühne, wo Sie in den folgenden Jahren in den großen Bariton-Partien auftraten: als Scarpia in Tosca, als Carlo Gerard in André Chénier und als Escamillo in Carmen. In der Titelrolle des Rigoletto waren Sie 2019 dabei und kommen diesen Sommer wieder. Sind Sie gewissermaßen mit Bregenz verheiratet? Scott Hendricks: Ja, und es ist eine sehr glückliche Ehe. Ich kann es kaum erwarten, wieder in Bregenz zu sein. Viele meiner europäischen Kollegen, die zu Freunden wurden, habe ich in Bregenz oder im Zusammenhang mit den Bregenzer Festspielen kennengelernt. Unsere Wege kreuzen sich auch an anderen Orten, sei es in London, Köln oder Brüssel – wie in einer großen, weit verzweigten Familie. übrigens die schwierigsten Partien meines bisherigen Lebens gesungen: Scarpia, Rigoletto und Il conte di Luna. War Rigoletto für Sie eine neue Partie oder haben Sie sie zuvor bereits gesungen? Rigoletto habe ich zum ersten Mal in Houston gesungen, im Jahr 2009. Dann musste ich 10 Jahre warten, bis ich wieder eine Gelegenheit bekam. In Bregenz war es dann das zweite Mal! Sie sind ein hervorragender Sänger-Darsteller und bekannt dafür, Ihre Rollen differenziert zu gestalten und tiefgründig zu interpretieren. Mir ist es tatsächlich sehr wichtig, dem Drama gerecht zu werden und tief in den Charakter einer Rolle einzutauchen. Das ist auch ein körper- wenn ich nach Bregenz komme, muss ich in meiner allerbesten Form sein! Wie war die Arbeit mit dem Rigoletto-Regisseur Philipp Stölzl? Einige Monate vor Probenbeginn trafen wir uns in Berlin, um die Figur des Rigoletto zu besprechen. Ich war von seinen Ideen sofort begeistert. In Bregenz hatten wir dann eine wunderbare Probenzeit. In den 16 Jahren auf der Seebühne gab es für mich – und das meine ich ganz ernst – keinen einzigen Tag mit negativem Stress. Und auch die beiden Philipps, der Regisseur Philipp Stölzl und sein Regie-Mitarbeiter und Assistent Philipp Krenn, verbreiteten immer positive Stimmung. Können Sie sich noch an Ihren allerersten Probentag bei den Bregenzer Festspielen erinnern? Außerdem fühle ich mich in Bregenz zu Hause. Ich wohne seit 2006 in der gleichen Unterkunft und bin mittlerweile mit den Vermietern befreundet. Genauso wie mit dem Besitzer eines Cafés, in dem ich an freien Abenden als DJ auflege. Es ist etwas Magisches an dem Ort! Auch auf der Seebühne gibt es magische Momente zu erleben. Was ist für Sie der größte Unterschied zwischen einer Aufführung in einem Opernhaus und dem Spiel auf dem See? Natürlich ist es eine Herausforderung, unter freiem Himmel in direkter Verbindung mit den Elementen zu singen. Aber ich liebe das. Es ist wichtig, sich auch an lauen Sommerabenden nicht im Urlaubsgefühl zu verlieren, sondern die Balance zu finden und die Energie gut einzuteilen. Denn die Arbeit auf der Seebühne ist anstrengend und hart. Ausgerechnet auf dieser riesigen Freiluftbühne habe ich »Oper steht in einer langen Tradition und in Bregenz kann man eine Prise Rock'n'Roll draufstreuen.« licher Akt. Abgesehen davon, dass es auf der Seebühne viel zu klettern, zu springen und weite Wege zu laufen gibt, möchte ich die Figur auf der Bühne richtiggehend zum Leben erwecken. Gleichzeitig darf der Gesang nicht zu kurz kommen. Wie bereiten Sie sich konditionsmäßig auf die besonderen Bedingungen der Seebühne vor? Ich achte auf einen guten allgemeinen Gesundheitszustand, mache Intervalltraining, laufe und halte Diät. Allerdings trainiere ich nicht speziell für die Festspiele, doch Anfangs war ich mit der Seebühne natürlich noch nicht vertraut. Ich hatte Respekt, merkte aber sofort, dass es genau meines ist. Oper steht in einer langen Tradition und hier in Bregenz kann man eine Prise Rock'n'Roll draufstreuen. Wir spielen schließlich jeden Abend für 7.000 Menschen, mit dem besten Tonsystem der Welt. Kurz: Es war Liebe auf den ersten Blick. Was schenkt Ihnen in einem Festspielsommer die größte Freude? Die Garderoben sind im Haus und sobald ich dort fertig 6

RIGOLETTO SCOTT HENDRICKS ist als Rigoletto in seiner bereits fünften Rolle auf der Seebühne zu erleben. Der in Texas geborene Bariton ist mit seinem breit gefächerten Repertoire international gefragt und lebt in Hannover. kostümiert und geschminkt bin, mache ich mich auf den Weg zur Seebühne. Dieser Weg führt über den Steg am Wasser. An manchen Abenden muss ich mich selbst zwicken, damit ich spüre, dass es wahr ist: das rötliche Abendlicht des Sonnenuntergangs, die angenehm milde Temperatur, die Boote kommen langsam in den Hafen gefahren. Das ist einmalig. Und an freien Abenden genieße ich meine Auftritte mit Hip-Hop, Rock'n'Roll, Prince, Classic Rock ... ist wie für mich gemacht. Wir kamen nach Amsterdam und Prag – und ich wusste, ich muss in Europa leben. Und das gelang Ihnen auch. Sie begannen an der Oper in Köln und singen mittlerweile weltweit an den größten und bedeutendsten Opernhäusern, in London, Barcelona, Brüssel, Amsterdam, Paris, in München, Zürich, Stuttgart sowie am Theater an der Wien. Aber auch in New York und Washington. SPIEL AUF DEM SEE RIGOLETTO Giuseppe Verdi Oper in drei Akten (1851) | Libretto von Francesco Maria Piave nach Victor Hugos Le roi s'amuse (1832) | In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln Bei einem so vielseitigen Musikgeschmack – wie sind Sie Opernsänger geworden? Ich war begeisterter Chorsänger und studierte Musikerziehung, doch als meine Stimme reifer wurde, fokussierte ich im Alter von 24 Jahren auf Operngesang. Nach Abschluss der Ausbildung bekam ich ein Engagement im Opernstudio der Houston Grand Opera. 1991 war ich das erste Mal in Europa, auf einer Chortournee in Wien. Es war wie im Himmel! Ich sah die Plakate all der Sänger rund um die Wiener Staatsoper und dachte: Diese Stadt Meine Familie lebt in meinem Geburtsort San Antonio in Texas und Amerika wird immer ein Teil meines Lebens bleiben. Aber meine berufliche Karriere und mein soziales Leben finden in Europa statt. In den deutschsprachigen Ländern hat Kultur einen besonderen Stellenwert. Ich will Mitglied dieser Gesellschaft sein, die Kunst hochhält. Gerade in der aktuellen Situation geht es darum, die Kultur wieder neu zu würdigen. Musik und Kunst gehören zum Leben. Ich kann es wirklich kaum erwarten, im Sommer wieder auf der Seebühne zu stehen! Premiere 22. Juli 2021 – 21.15 Uhr Vorstellungen siehe Spielplan in der Heftmitte Das Spiel auf dem See wird präsentiert von 7

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