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Festspielzeit Frühling 2022

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Das Magazin der Bregenzer Festspiele

EINE OPER FÜR EINEN

EINE OPER FÜR EINEN OKTOPUS OPERNATELIER Die Entstehung einer Oper zum Miterleben: 2022 geht das Opernatelier in eine neue Runde. Nach den Uraufführungen von To the Lighthouse (2017) und Wind (2021) zog im Jänner 2022 ein neues künstlerisches Team in das Opernatelier der Bregenzer Festspiele und des Kunsthaus Bregenz ein: die belgisch-irische Musikerin Éna Brennan, der aus Lissabon stammende, in Wien und New York lebende bildende Künstler Hugo Canoilas sowie der britische Regisseur und Librettist Sir David Pountney. Zweieinhalb Jahre lang stellen sie sich der Herausforderung, für die Bregenzer Festspiele eine neue Oper zu schaffen. Mit welchen Gedanken, Erkundungen und Ideen sich das Trio auf dem Weg dorthin beschäftigt und welche Personen das Opernatelier im Laufe der Zeit ergänzen werden, können interessierte Besucherinnen und Besucher im Rahmen mehrerer Einblick-Veranstaltungen miterleben. Der erste Abend der neuen Reihe fand am 25. Jänner 2022 im Kunsthaus Bregenz statt. AM ANFANG IST EIN OKTOPUS 24 Bevor sich das neu gebildete Team im KUB dem Publikum präsentierte, hatten Sir David Pountney und Éna Brennan den bildenden Künstler Hugo Canoilas zwei Tage zuvor erstmals persönlich getroffen, nach mehreren vorigen Videotreffen. Als Auftakt ihrer gemeinsamen künstlerischen Reise besichtigten sie in Bregenz jenen Ort, an dem das Werk 2024 zur Uraufführung gelangen soll: die Werkstattbühne. Mit ihren 45 mal 37 Metern ist die multifunktionale »Black Box« des Festspielhauses ein echter Rohdiamant. »In diese außerordentliche Bühne kann man nicht einfach einen Guckkasten hineinbauen, man muss die Dimensionen des Raums füllen«, erklärt Regisseur Pountney, dem bereits jetzt vorschwebt, das Publikum aktiv in die Aufführung miteinzubinden. Als einziger im Team ist er mit den vielfältigen Möglichkeiten der Werkstattbühne bereits vertraut, entstanden doch dort unter seiner Intendanz der Bregenzer Festspiele von 2004 bis 2014 zahlreiche Projekte. Einem großen Publikum ist der Regisseur durch seine Inszenierungen von Der fliegende Holländer, Nabucco, Fidelio und Die Zauberflöte auf der Seebühne sowie

der weltweit gespielten Oper Die Passagierin bekannt. Als erfahrener Übersetzer und Librettist wird Pountney auch den Text für die neue Oper schreiben. »Wir müssen gemeinsam einen skulpturalen Anhaltspunkt in der Oper finden«, so der Regisseur. Diesen könne der bildende Künstler Hugo Canoilas dann im Raum visualisieren. Aber wie findet man diesen Anhaltspunkt, wenn man buchstäblich vor dem Nichts steht? »Wir hören uns zu, tauschen uns aus und begegnen uns auf Augenhöhe«, beschreibt die Komponistin Éna Brennan das erste Herantasten an die neue Zusammenarbeit. »Das Resultat entsteht durch Teamarbeit«. Und das gemeinsame Fließenlassen der Gedanken erzeugt beim Lokalaugenschein bereits erste Bilder im Kopf: Ein Oktopus taucht auf. Opera als künstlerisches Zeichen im Corona-Lockdown 2020. Brennan, die nicht nur komponiert, sondern auch Geige spielt, singt und als Grafikdesignerin arbeitet, schöpft in ihrer Arbeit aus den Vollen. Sie steht mit unterschiedlichen Künstlerinnen und Künstlern auf der Bühne, wandelt zwischen den Genres, spielt mit elektronischen Klängen, improvisiert und experimentiert. KONZERT IM KUB Wie es mit der neuen Oper weitergeht und ob das Team des Opernateliers an seinem Oktopus festhält – oder umgekehrt? –, wird sich bei den nächsten Einblicken zeigen. Das Konzert im KUB am 9. August widmet sich ganz Éna Brennans musikalischem Kosmos. Gemeinsam mit Mitgliedern des Symphonieorchester Vorarlberg wird die Ausnahmekünstlerin ihre eigene Musik mit neu zu entdeckenden Werken der Musikgeschichte in einen anregenden Dialog bringen. Neugierig geworden? Rupture, Éna Brennans Beitrag für die 20 Shots of Opera der Irish National Opera, gibt’s hier zum Nachschauen: EINBLICKE DAS SPIEL MIT KLANG UND FARBE Als die Künstlerin und die Künstler beim Einblick von dieser Geburtsstunde der Oper berichten, lauscht das Publikum im KUB gespannt. Was es genau mit dem Oktopus auf sich hat, bleibt ihm jedoch bis zum Schluss verwehrt. Sieht man sich die Arbeiten von Hugo Canoilas an, mag man vermuten, der Meeresbewohner ist seiner Ausstellung On the extremes of good and evil im Wiener mumok entsprungen, dessen Raum er in eine geheimnisvolle, begehbare Tiefseelandschaft verwandelte. »Jeder Arm eines Oktopus wird von einem eigenen, unabhängigen Gehirn gesteuert«, erklärt Canoilas und sinniert weiter. »Es könnte also ein Arm etwas wollen – und ein anderer Arm etwas ganz anderes.« Mit diesem Thema, dem Dialog mit sich selbst und der inneren Zerrissenheit, beschäftigte sich auch Éna Brennan in ihrer Kurzoper Rupture. Das rund acht Minuten lange Werk ist Teil der 20 Shots of Opera, einem international beachteten Video-Projekt der Irish National Sie erschaffen gemeinsam ein neues Musiktheaterwerk: Sir David Pountney, Éna Brennan, Hugo Canoilas und Dramaturg Olaf A. Schmitt (v. l. n. r.). 25

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