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Festspielzeit Frühling 2022

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Das Magazin der Bregenzer Festspiele

SPIEL AUF DEM SEE 117

SPIEL AUF DEM SEE 117 Puzzleteile aus Stahl, Holz, Styropor und Verputz mussten für die neue Kulisse zusammengesetzt werden. Videos zum Aufbau gibt’s auf dem Youtube-Kanal der Bregenzer Festspiele: Wie ein Stück Papier, zerknüllt und ins Wasser geworfen, präsentiert sich die Seebühne im neuen Festspieljahr. Ein Spiegelbild der Seele sei dieses Papier, sagt Elisabeth Sobotka, Intendantin der Bregenzer Festspiele. Gespiegelt werden die großen Gefühle der zarten Cio-Cio- San, genannt Butterfly. Das traurige Schicksal des vom amerikanischen Marinesoldaten Pinkerton emotional und sexuell ausgebeuteten jungen Mädchens beschreibt Giacomo Puccinis Oper Madame Butterfly mit »kraftvoller, großer Musik«, so die Intendantin. Die große Seebühne wird in den nächsten beiden Sommern Schauplatz für ein tieftrauriges Kammerspiel. Ein ikonenhaftes Bild, »poetisch und voller Magie«, habe der kanadische Bühnenbildner Michael Levine für die Seebühne entworfen, schwärmt Wolfgang Urstadt, Technikdirektor der Bregenzer Festspiele. Aus den Ideen des Künstlers lassen Urstadt und sein Team mit zwölf Partnerfirmen das dreidimensionale Werk entstehen. Die wesentlichen Elemente: ein im Wasser treibendes Stück Papier, darauf eine feinsinnige japanische Landschaft gemalt, und ein Schiff, wie von Kinderhand 6 mit Elementen der amerikanischen Flagge bemalt. Für die Bühnenskulptur wurden 117 unterschiedlich große Elemente aus Holz und Styropor in einer Montagehalle im Nachbarort Lauterach gefertigt. Sondertransporte brachten die Elemente zum See. Wie ein Puzzle wurden die Teile auf die Unterkonstruktion aus Stahl gesetzt und zusammengefügt. So entstand eine anfänglich blendend weiße, gewölbte Fläche im Ausmaß von 1.340 Quadratmetern. Nach und nach bekam die Skulptur Konturen. Bis Ende Mai wird auf ihrer Oberfläche das Gemälde einer japanischen Landschaft entstehen. Die Herausforderung der Bühnenskulptur besteht in der Täuschung. »Wir möchten die Leichtigkeit eines dünnen Papierblattes vermitteln«, sagt Urstadt, »und das bei einem Gewicht von rund 300 Tonnen.« Wie schafft man das? »Mit einem einfachen Trick, den jeder Maler und jede Malerin beherrscht, der heißt Perspektive«, erklärt der Technikdirektor. Die Bühnenflächen verjüngen sich nach außen, »sehen hauchdünn aus«. Die statische Umsetzung habe große Tüftelei erfordert: »Das Publikum soll ein

dünnes Blatt Papier sehen, die Bühne muss aber Schneelast und Wind standhalten und vor allem dem Wellenschlag des Bodensees.« Die Macht des Wassers, das von unten auf die Konstruktion wirkt, muss gebändigt werden. So wurden, um das Bauwerk vor den Kräften der Wellen zu schützen, acht spezielle Zug- und Druckanker in den Seeboden gesetzt. Ihre Aufgabe ist nun, die hohen Zugkräfte abzuleiten, die entstehen, wenn das Wasser von unten auf die dünnen Ränder des Papierbilds drückt. »Selbstverständlich haben wir mit größter Rücksichtnahme auf den Gewässerschutz gearbeitet, für den im Trinkwasserreservoir Bodensee sehr hohe Maßstäbe gelten«, fügt Urstadt hinzu. Technische Herausforderungen birgt auch die Oberflächengestaltung der Madame Butterfly-Kulisse. Die 117 Puzzleteile – das größte misst 17 Quadratmeter, das kleinste Element sechs – mussten ohne sichtbare Fugen zusammengebaut werden. Es galt, 47 Lautsprecheröffnungen unsichtbar für das Publikum im Papierbild zu platzieren und zudem zwischen den Wölbungen Öffnungen für die Auftritte der Künstlerinnen und Künstler so zu realisieren, »dass sich das Publikum wundern wird, woher die Menschen plötzlich auf die Bühne kommen«. beitet werden. Um sicherzugehen, dass nicht gesehen wird, was nicht gesehen werden soll, müsse man bei der Arbeit immer wieder ein paar Schritte zurücktreten, »die Bühne aus Publikumsperspektive betrachten«, erklärt Schulze seine Arbeit. Damit Materialien über zwei Saisonen Wind und Wetter standhalten, wird ihre Verwendung sorgfältig geprüft. Unter anderem werden Prototypen der Bauteile in sogenannten Bewitterungskammern künstlichen Wetterbedingungen ausgesetzt. In sechs Wochen können so zwei Jahre Kälte, Hitze und Feuchtigkeit simuliert werden. Die Bühne für Madame Butterfly wird ein Zusammenspiel aus Skulptur, traumhaften Kostümen und Lichteffekten, verspricht Urstadt. Damit die gewünschte Magie entsteht, wird auch mit digitalen Bühneneffekten gearbeitet werden. Verraten wird dazu nur so viel: Eine Woche lang dauert die digitale Vermessung der Bühne, die Basis für den Einsatz von Beleuchtung und Projektoren sein wird. Über die Effekte schweigt sich Urstadt noch aus. Schließlich soll das Publikum überrascht werden. SPIEL AUF DEM SEE MADAME BUTTERFLY Giacomo Puccini Oper in drei Akten (1904) | Libretto von Luigi Illica und Giuseppe Giacosa | In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln Premiere 20. Juli 2022 – 21.15 Uhr Vorstellungen Alle Spieltermine finden Sie in der Heftmitte. MADAME BUTTERFLY Frank Schulze, Kascheur und Inhaber der Firma la mimesi, gestaltet zum 25. Mal die Bühnenoberfläche. In der Verantwortung des Kascheurs liegt es, durch Modellieren und Kaschieren Bühnenillusionen zu schaffen. Das Besondere an der Seebühne sei der Umgang mit dem Licht, sagt Schulze. »Die Bühnenskulptur wird tagsüber durch ständig wechselnde Lichtverhältnisse ausgeleuchtet und muss diesem Tageslicht standhalten.« Risse und Fehler würden sofort sichtbar. Entsprechend genau muss gear- Wie es sich für ein echtes Boot gehört, kam das Madame Butterfly-Papierschiff auf dem Wasserweg zur Bühne. 7

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