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Festspielzeit Sommer 2015

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Das Magazin der Bregenzer Festspiele

GEMEINSAM ZUM LEUCHTTURM

GEMEINSAM ZUM LEUCHTTURM Das neue Opernatelier gewährt Einblicke OPERNATELIER Ein sechsjähriger Junge möchte mit dem Boot zum Leuchtturm fahren. »Bestimmt«, verspricht die Mutter, »wenn es morgen schön ist. Dann musst du aber schon ganz früh aus den Federn.« »Bloß«, fährt der Vater dazwischen, »wird es nicht schön sein.« Der Junge wünscht sich eine Axt oder irgendeine andere Waffe herbei, damit brächte er seinen Vater am liebsten um. Diese aufeinander prallenden Gefühle eröffnen Virginia Woolfs Roman To the Lighthouse (Zum Leuchtturm), der mit wenigen Worten einen scheinbar unlösbaren Konflikt exponiert: Mrs. Ramsay glaubt an die Kraft des Optimismus, der Phantasie, die auch Unmögliches zulassen kann, während ihr Mann – ein Philosoph – seinen Kindern und den Menschen in seiner Umgebung das Beharren auf Fakten beibringen möchte. Beim sechsjährigen James, eines von acht Kindern, hat dies einen regelrechten Hass auf seinen Vater erzeugt, der zumindest in seinen Gedanken Mordgelüste hervorruft. Gedanken, Unausgesprochenes, Gefühle – derartige innere Stimmen bilden den Mittelpunkt von Virginia Woolfs Roman. Das Nicht-Sagbare eröffnet der Musik Räume, in denen es widerhallen kann. Diese Möglichkeiten faszinieren den griechischen Komponisten Zesses Seglias an Virginia Woolfs Sprache. Gemeinsam mit dem Regisseur und Autor Ernst Marianne Binder arbeitet er im Auftrag der Bregenzer Festspiele an einer Oper nach To the Lighthouse. Besonders daran ist der Prozess, in den das Publikum immer wieder Einblicke erhält. Welche Ideen treiben die Beteiligten um? Welchen Herausforderungen müssen sie sich stellen? Welchen Klang erzeugt Virginia Woolfs Text? Am 11. Mai 2015 war im Kunsthaus Bregenz der Einblick 1 zu erleben. Gemeinsam mit dem Kunsthaus wurde der bildende Künstler Heimo Zobernig als Bühnenbildner für die Oper gewonnen. Am 7. November wird seine Ausstellung im Kunsthaus Bregenz eröffnet. Für Einblick 1 komponierte Zesses Seglias eigens für diesen Abend ein kurzes Stück für Sopran, Bassklarinette und Schlagzeug – und führt an die Grenzen zwischen Stille und Klang, zwischen geäußertem Laut, gesprochenem Wort und gesungenem Ton. Diese musikalischen Elemente werden auch Teil der gerade entstehenden Oper sein, die sich in den nächsten Jahren auch für das Publikum konkretisieren wird: Welche Figuren aus dem Roman kommen auf die Bühne, welche fallen weg? Und warum? Welche Instrumente werden die Musiker des Symphonieorchester Vorarlberg spielen, aus deren Kreis schon die Interpreten des Einblick 1 kamen? Mehrmals im Jahr bieten die Einblicke Spuren, Klänge und Fragen für die beteiligten Künstler wie das Publikum. Aktuelle Informationen erhalten Sie unter www.bregenzerfestspiele. com/opernatelier. Neben Fragen zur Ästhetik von Komponist, Librettist und Regisseur bot »Einblick 1« mit Sopranistin Frauke Burg und Musikern des Symphonieorchesters Vorarlberg auch einen akustischen Vorgeschmack.

SINGEN, VEREDELT MEISTERKLASSE MIT BRIGITTE FASSBAENDER OPERNSTUDIO Bevor sich die Sängerinnen und Sänger des neugegründeten Opernstudios der Bregenzer Festspiele vollends in die Probenarbeit für Così fan tutte stürzen, werden sie zwei Tage lang ihre Stimme mit einem Weltstar der Oper veredeln. Die Mezzosopranistin Brigitte Fassbaender kommt für zwei Tage nach Bregenz, um mit den jungen Profis an deren Gesangstechnik, Stil und Ausdruck zu feilen. Am letzten Abend darf das Publikum selbst erleben, wie intensiv und besonders die Arbeit an der eigenen Stimme sein kann. Die erfahrene Sängerin stand auf allen großen Bühnen dieser Welt wie der Bayerischen Staatsoper, wo sie 1961 ins Ensemble kam, der Metropolitan Opera New York, dem Royal Opera House in London, der Mailänder Scala oder den Festspielen in Bayreuth und Salzburg. Bevor sie sich den großen Partien ihres Fachs und ihrer Paraderolle Octavian in Richard Strauss’ Rosenkavalier widmen konnte, hat sie ab ihrem 21. Lebensjahr »erst mal sämtliche Mägde und Pagen gesungen, die die Opernliteratur für Mezzos bereithält.« Ab den 1990er-Jahren inszenierte sie selbst, wurde Intendantin am Tiroler Landestheater in Innsbruck und lernte die Opernwelt auch von dieser Seite kennen. Wenn Brigitte Fassbaender heute an zahlreichen Orten jungen Sängerinnen und Sängern zu ihrem individuellen Klang verhilft, gibt sie natürlich auch ihre Erfahrungen als Regisseurin und Theaterdirektorin weiter. Es sind die kleinen Hinweise, die oft Großes bewirken. Wer von einer duftenden Blume singt, sollte den Geruch auch in der Nase haben. »Du musst jedes Wort neu erfinden«, sagte Brigitte Fassbaender einem jungen Bariton. »Sie erklärte alles ganz einfach und anschaulich. Zwei, drei Worte waren genug, um uns zu verbessern«, berichtete die Mezzosopranistin Yulia Sokolik von einer Meisterklasse an der Bayerischen Staatsoper. Davon zeigte sich auch der Bariton Andrea Borghini begeistert: »Das Schönste, was sie uns beigebracht hat, ist, dass beim Singen alles ganz natürlich möglich sein muss«. Zu Wolfgang Amadeus Mozart hat die Mezzosopranistin noch immer eine besondere Beziehung. Als Dorabella in Così fan tutte war sie selbst lange auf der Bühne zu erleben. »Bei Mozart ist jedes Wort, jede Silbe wichtig«, sagte sie bei einem Meisterkurs beim Augsburger Mozartfest. Sicherlich werden die Darsteller der Bregenzer Neuinszenierung von Così fan tutte wertvolle Erfahrungen für ihre Rollen sammeln. Und vielleicht lässt sich während einer der Aufführungen sogar ein technisches Detail hören, worauf Brigitte Fassbaender in ihrer Meisterklasse hingewiesen hat. 25

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