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Festspielzeit Sommer 2016

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Das Magazin der Bregenzer Festspiele

SPIEL AUF DEM SEE

SPIEL AUF DEM SEE KATHEDRALEN, DIE AUS KLANG ENTSTEHEN

Die Bregenzer Tontechnik BOA ist einzigartig: Sie trägt Musik in höchster Qualität an die Ohren der Seebühnen-Besucher und eröffnet der Kunst zudem neue Dimensionen. Technikdirektor Wolfgang Urstadt erklärt, wie das funktioniert und wie die Zukunft mit BOA aussehen könnte. Die Opernfreunde sind umzingelt. Von links, von rechts, von vorne und hinten kommen Schallwellen auf sie zu, aus 910 Lautsprechern. Sie erzeugen einen Klang, wie ihn topmoderne Kinos bieten, allerdings unter freiem Himmel – im unbegrenzten Raum rund um die Bregenzer Seebühne. Eigentlich geht das gar nicht. Schall muss von Wänden und Decken geleitet, an das Ohr des Lauschenden getragen werden. Weil diese im Freien fehlen, galt Open-Air-Oper lange als blasses Abbild wahrlich großer Musiktheaterkunst. Gängige Technik verleiht den Stimmen heldenhafter Tenöre einfach zu wenig Glanz. Darum spielen Freiluft-Opernmacher andere Trümpfe aus: Sonnenuntergänge und sanfte Lüftlein – was die Natur so zu bieten hat. In Bregenz bilden See und Berge die spektakuläre Szenerie für Liebe und Leid auf der Bühne – und die Technik zieht mit: Sie entfaltet fesselnd den Klang des Dramas, das Männer und Frauen singend auf der Bühne durchleben. BOA macht dies möglich. BOA bedeutet »Bregenz Open Acoustics« und wurde vor zehn Jahren eigens für die Bregenzer Festspiele entwickelt. Diese Tontechnik hat die Seeoper damals in eine andere künstlerische Liga befördert. Wenn Wolfgang Urstadt, technischer Direktor der Bregenzer Festspiele, das Prinzip BOA erklärt, gebraucht er physikalische Fachausdrücke wie Wellenfeldsynthese und Richtungshören. Komplex verzahnte Hard- und Software – von leistungsstarken Mikrofonen und Verstärkern über Rechner und Computerprogramme bis hin zu impulsgebenden Algorithmen – erzeugen frappierende Effekte: Sie können ein Flugzeug – akustisch – vom Pfänder her kommend in Richtung Schweiz über die Seebühne donnern lassen. Und einem Liebespaar für sein Duett eine intime Kammer ebenso bauen wie eine prächtige Kathedrale. Ideengeber der Erfindung waren der ehemalige Intendant David Pountney, Techniker der Bregenzer Festspiele, der deutsche Dirigent Ulf Schirmer und Wolfgang Fritz, einer der führenden Tontechniker Österreichs. Als die Festspiele sich 2004 mit dem Fraunhofer-Institut zusammentaten, um die Seebühnen-Akustik zu verbessern, folgten sie den Vor- stellungen Schirmers. Der Leiter des Münchner Rundfunkorchesters, Intendant der Oper Leipzig und mehrfacher Bregenzer Seeopern- Dirigent wusste, welche Farben der über Mikrofone, Funk, Verstärker, Kabel und Lautsprecher ins Auditorium transportierte Klang haben muss, um dem zu entsprechen, was Solisten, Chor und Orchester singen und spielen. »Wir wollten die Grenzen der Physik ausloten«, sagt Wolfgang Urstadt. Das Ergebnis hat alle überrascht – und BOA hat weltweit neue Maßstäbe gesetzt. Inzwischen werden ähnliche Techniken zwar auch andernorts verwendet, erzählt Urstadt. »Aber BOA bleibt der Rolls Royce.« Für Ulf Schirmer ist es sogar mehr als das. Für Puccinis Tosca (2007 und 2008) schöpfte er mit kindlicher Freude aus dem Schatz des technischen Wunderwerks und nannte es ein neues Instrument in seinem Orchester. Einer seiner Einfälle: Die Glocken des Bregenzer Klosters Mehrerau mit einem Gong des buddhistischen Zentrums Feldkirch zu paaren, auf dass sie als »Hells Bells« bei Tosca-Besuchern Gänsehaut erzeugten. Nicht alle Dirigenten gehen so kreativ mit BOA um. Aber alle wissen, dass BOA das erschafft, was zuvor im Freien nicht denkbar war: die Akustik eines Opernhauses. Denn das Hauptproblem vieler Freilichttheater können selbst die wattstärksten Boxentürme nicht lösen. »Es macht keinen Spaß, eine Oper zu sehen und sich dabei ständig zu fragen: Wer TURANDOT 5

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