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Festspielzeit Sommer 2017

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Das Magazin der Bregenzer Festspiele

MAMMUTWERK MIT AMEISEN

MAMMUTWERK MIT AMEISEN WERKSTATTBÜHNE In einer spektakulären Neugestaltung von Wagners Ring des Nibelungen füllt Hotel Modern die Bühne mit einem riesigen Vivarium. Bevölkert von Mistkäfern, Libellen und Ameisenkolonien spielen darin Insekten-Marionetten die Rollen von Göttern und Helden 10

Mit seinem Ring des Nibelungen hinterließ Richard Wagner der Opernwelt ein Drama von epischem Ausmaß. Mit Unterbrechungen arbeitete er mehr als 25 Jahre an seinem gewaltigen Stück, für das er auf rund 700 handgeschriebenen Seiten eine ganze Welt erschuf. Wer den Opernzyklus erleben möchte, muss sich entsprechend dafür Zeit nehmen: Vier Abende dauert die Aufführung normalerweise vom Raub des Rheingolds durch Alberich bis hin zur Götterdämmerung und dem Ende der Götterburg Walhall. Umso absurder erscheint die Idee der Theatergruppe Hotel Modern und des Niederländischen Bläserensembles (NBE) anlässlich Wagners 200. Geburtstags 2013: gemeinsam eine stark gekürzte Version des Ring auf die Bühne zu bringen, welche in aller Kürze erzählt ist und sich mit der tieferen Bedeutung der Geschichte befasst. Ein Stück Gesellschaftskritik, ganz im Sinne Wagners, wie Bart Schneemann, Intendant des NBE, erklärt: »In dieser Oper gibt es viele Charaktere, die nach Macht hungern. Und dann, 16 Stunden später, kollabiert ihre ganze Welt. Das ist die Moral von der Geschichte: Macht ist wertlos.« Um diese Essenz zu inszenieren, kochten die beiden Ensembles den monumentalen Zyklus ein: Das laut Partitur riesige Orchester und die große Anzahl an Solisten reduzierten sich auf eine kleine Gruppe von Musikerinnen und Musikern des NBE. Dazu passend schrumpfte Hotel Modern auch die Protagonisten – Alberich, Wotan, Siegfried und Co. wurden zu Spinnen und Insekten. Am Ende blieb von Wagners ursprünglichem Riesenwerk nur etwa ein Zehntel übrig: Der Ring in 90 Minuten. MORD, MUSIK UND MARIONETTEN »Zuerst hörten wir uns den Ring genau an, um Wagners Schöpfung zu verstehen«, erklärt Herman Helle, der bei Hotel Modern hauptsächlich für die Gestaltung der Insekten- Marionetten, Puppen und Landschaften verantwortlich ist. »Die Welt der Nibelungen ist eine sehr bösartige – voller Verrat, Hinterhalt und Mord. Genauso bösartig wie jene der Insekten. Da gibt es Wespen, die Eier in die Kinder anderer Insekten legen, damit die Larven sich von diesen Kindern ernähren. Schrecklich. Aber es passt ganz gut.« Gemeinsam mit Arlène Hoornweg und Pauline Kalker bildet Herman Helle das Theaterkollektiv Hotel Modern. Mit Hand- und Fingerkameras begleiten diese Meister des Miniaturtheaters ihre Puppen durch die selbstgebastelte Umgebung und übertragen die Szenen live auf eine große Leinwand. Die Zuschauer sehen dabei genau, mit welch einfachen Mitteln die Gruppe arbeitet. Und doch: Die geschickte Kameraführung, die detailverliebten Landschaften und dazu 21 Musikerinnen und Musiker, die Wagners kraftvolle Musik spielen, »als ob ihr Leben davon abhinge« (NBE) – all das lässt das Publikum ganz und gar in die Geschichte eintauchen. DER ZYKLUS DES LEBENS Spinnen, Käfer und Ameisen liefern sich grausame Kämpfe um den mächtigen Ring, vollführen magische Paarungstänze und begehen tückische Raubzüge. Nur der Kreislauf der Natur bleibt von allem unbeeindruckt: Pflanzen wachsen und blühen, Insekten vermehren sich, fressen und werden gefressen. Erst als die Weltordnung durch den fortwährenden Machtkampf und das Übermaß an Gier und Zerstörung völlig aus den Fugen gerät, bereitet die Natur all dem ein Ende – in einem alles verschlingenden Vulkanausbruch reinigt sie die Welt. Der Ring fällt in den Rhein zurück und verschwindet in einer Wolke aus Laich – jedes Ei der Samen neuen Lebens. DER RING IN 90 MINUTEN WERKSTATTBÜHNE DER RING IN 90 MINUTEN Hotel Modern Premiere 29. Juli 2017 – 20.00 Uhr Gier, Verrat und Machthunger im Reich der Insekten: Der Ring in 90 Minuten ist ein außergewöhnliches Musiktheatererlebnis. Vorstellung 30. Juli – 20.00 Uhr | Werkstattbühne 11

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