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Festspielzeit Sommer 2017

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Das Magazin der Bregenzer Festspiele

DAS ZIEL VOR AUGEN

DAS ZIEL VOR AUGEN WERKSTATTBÜHNE Der Prozess des Opernateliers bietet einen Einblick in die Probenarbeit an der neuen Oper To the Lighthouse Seit über zwei Jahren verfolgt das Publikum den Entstehungsprozess von Zesses Seglias' Oper To the Lighthouse nach Virginia Woolfs gleichnamigem Roman. Die vielfältigen Elemente einer neuen Oper, die bei sechs Einblick-Veranstaltungen im Kunsthaus Bregenz vorgestellt wurden, kommen nun bei der Uraufführung auf der Werkstattbühne zusammen: die Stimmen der Sängerinnen und Sänger sowie der Instrumente, der zum Theatertext gewordene Roman, die aus dessen Entstehungszeit abgeleiteten Kostüme, die zweidimensionalen Objekte für die Bühne. Der bildende Künstler Jakob Kolding, der zum ersten Mal für eine Opernbühne arbeitet, hat sich von den vielfältigen Stimmen und Referenzen in Virginia Woolfs Text inspirieren lassen. Seit mehreren Jahren arbeitet er mit Collagen, die er teilweise schon zu szenisch anmutenden Räumen gestaltet hat. Für To the Lighthouse kreierte er Objekte unterschiedlicher Dimensionen, die neben direkt aus der Geschichte abgeleiteten Elementen auch die Entstehungszeit des Romans am Beginn des 20. Jahrhunderts widerspiegeln. Sämtliche Objekte werden Teil der szenischen Handlung und von den Darstellerinnen und Darstellern größtenteils selbst auf die Bühne gebracht. Diese Idee entstand in Zusammenarbeit mit dem Librettisten und Regisseur Ernst Binder, dessen plötzlicher Tod Ende Jänner 2017 alle Beteiligten schockierte. Dankenswerterweise hat sich Olivier Tambosi bereit erklärt, die Uraufführung zu inszenieren. Der Regisseur ist dem Bregenzer Publikum durch seine Interpretation von Franco Faccios Hamlet im vergangenen Sommer bekannt. In den vergangenen Monaten hat er sich mit Leidenschaft in den Stoff vertieft und ausführliche Gespräche mit allen beteiligten Künstlern geführt. Im Zentrum der Bühne platziert Jakob Kolding einen Baum, wofür er eine Vorlage von der schottischen Isle of Skye verwendete. Mehrere Felsen erinnern an die karge Landschaft, in der sich die Familie und Gäste um Mrs. und Mr. Ramsay jeden Sommer in ihrem Haus einfinden. Überdimensioniertes Besteck und Geschirr symbolisieren das große Abendessen, das die Handlung am Ende des ersten Teils des Romans und der Oper bestimmt. Wie die Zeit in dieses Haus einbricht, 16 zeigt der deutlich kürzere zweite Teil, der mit zehn Jahren allerdings die längste Zeitspanne umfasst. Die Familie kommt mehrere Jahre nicht ins Haus. Es verfällt und wird von der Haushälterin notdürftig gehütet. Der Erste Weltkrieg bricht aus, Mrs. Ramsay und weitere Personen scheiden aus dem Leben. Koldings Objekte in diesem Teil der Oper spiegeln die geraffte Zeit wider, Soldaten und Kriegsbilder werden auf die Bühne gebracht, doch auch sie wie dreidimensional gewordene Bilder als Erinnerungen behandelt. Die Bilder auf der Bühne beziehen sich auf die vielen Referenzen, mit denen Virginia Woolf in ihrem frühen Roman arbeitet. Gedichtzeilen von Shakespeare und weiteren Autoren tauchen als Stimmen in den Köpfen der Figuren auf. Diese verschiedenen Perspektiven auf die Welt, die Schwankungen der menschlichen Gefühle und des Verhaltens betonte auch die Anglistin und Kulturwissenschaftlerin Elisabeth Bronfen, die im März 2017 zu einem Vortrag nach Bregenz kam: „To the Lighthouse gehört nicht nur zu den großen Klassikern der modernen Literatur, es ist auch ein Roman, in dem die Nacht, als ein ganz eigen gestimmter Raum

sowohl als Voraussetzung wie auch als Szene für das Erzeugen jener Stimmen einsteht, die Virginia Woolf in ihrem Erzählfluss zusammenknüpft. Im Zentrum dieses Gewebes steht ihre Heldin, Mrs. Ramsay, die als Hüterin ihres Heims herrscht und alles ausleuchtet. Als schützende Figur, auf die sich alle beziehen, entpuppt sie sich zugleich als Platzhalterin der Nacht, erzeugt also nicht nur eine nächtliche Stimmung, sondern gibt der Nacht auch eine Stimme. Aus dem Wissen um die Fragilität der Welt, die mit dem Übergang von Tag in Nacht, dem Wandel von Sichtbarkeit in Unsichtbarkeit einhergeht, entsteht ein Hang zum Träumen und zum Spekulieren, welches zugleich in einen neuen Morgen vertrauen lässt. Diese Fantasiearbeit kann zugleich als Spiegel für jene ästhetische Produktion verstanden werden, welche der Roman als Ganzes vollzieht. Entsagung und Hoffnung, Erlöschen und Wiedererscheinen, Zusammenkommen und Auseinandergehen – das sind die stets komplementären Stimmungen, um welche To the Lighthouse sich dreht.“ TO THE LIGHTHOUSE Für den griechischen Komponisten Zesses Seglias eröffnen diese unterschiedlichen Stimmungen, das Sichtbare und Unsichtbare, zahlreiche Möglichkeiten, sie in seiner Musik auszudrücken. Sie lässt uns zuhören, wie die Menschen denken. Die Stimmen der Sängerinnen und Sänger wenden sich auch nach innen, wenn sie etwas nicht sagen können oder wollen. Auch die Instrumente des Orchesters behandelt Seglias oft wie menschliche Stimmen. Diese Klänge mit den Musikern zu erarbeiten, gehört zu den Aufgaben der Dirigentin Claire Levacher. Die letzte Einblick-Veranstaltung vor der Premiere lässt genau das miterleben: die Arbeit des Symphonieorchesters Vorarlberg an einer gerade komponierten Partitur. Jakob Kolding mit Elementen seines Bühnenbildes für To the Lighthouse. Die Entstehungszeit des Romans spiegelt sich auch in den Kostümen von Vibeke Andersen wider. WERKSTATTBÜHNE TO THE LIGHTHOUSE Zesses Seglias Kammeroper in drei Teilen | Libretto von Ernst Binder OPERNATELIER nach Virginia Woolf | In englischer Sprache mit deutschen EINBLICK 7 In Kooperation mit dem Übertiteln | Uraufführung Kunsthaus Bregenz Premiere 6. August – 19.00 Uhr | 16. August 2017 – 20.00 Uhr Seestudio | Festspielhaus Vorstellung Eintritt frei | Bitte um 18. August – 20.00 Uhr | telefonische Anmeldung Werkstattbühne unter T +43 5574 407-6 17

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