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Festspielzeit Sommer 2018

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Das Magazin der Bregenzer Festspiele

Elf Puppen, ein Spieler,

Elf Puppen, ein Spieler, ein Dirigent THEATER AM KORNMARKT Nikolaus Habjan und seine Puppen spielen den Dirigenten Karl Böhm in Paulus Hochgatterers Schauspiel Böhm Zufall, Plan, Instinkt – im Fall von Nikolaus Habjan und dem Schauspiel Böhm bei den Bregenzer Festspielen treffen alle drei Wörter zu. Der 2016 für seine Puppen in der Uraufführung Staatsoperette – Die Austrotragödie sowie als Kunstpfeifer gefeierte Künstler erzählte in Bregenz von seiner für Frühjahr 2018 geplanten Uraufführung über Karl Böhm am Schauspielhaus Graz. Die Idee, den aus Habjans Heimatstadt Graz stammenden Dirigenten in einem Theaterstück zu thematisieren, hatte den Puppenspieler, Puppenbauer und Regisseur schon seit Längerem beschäftigt. 2018, achtzig Jahre nach dem sogenannten Anschluss Österreichs 1938, schien endgültig der passende Zeitpunkt zu sein. Für die Bregenzer Festspiele war diese Idee von Beginn an interessant, stand doch Böhm in Bregenz insgesamt vier Mal am Dirigentenpult der Wiener Symphoniker, zuletzt 1980 zur Eröffnung des Festspielhauses. Sein erstes Konzert in Bregenz leitete er vor siebzig Jahren, im August 1948. Als Autor des Textes konnte Habjan den renommierten Schriftsteller Paulus Hochgatterer gewinnen, den er bereits seit 2010 kannte und von dessen Musikleidenschaft er wusste. Bei den Bregenzer Festspielen wiederum war Hochgatterer 2012 als Sprecher in der Reihe Musik & Poesie sowie als Autor seines Stücks Makulatur zu Gast. Ein Zufall war es wohl, wie Habjan zum ersten Mal dem Namen Karl Böhm begegnete. Als Kind hörte er dessen Aufnahme von Mozarts Zauberflöte. Als er viele Jahre später für sein erstes Stück Schlag sie tot die Puppe des Herrn Berni entwarf, lag auf seinem Schreibtisch im Grazer Kinderzimmer das Plattencover mit einer Abbildung Böhms. Ohne es zu beabsichtigen, verlieh Habjan seiner Puppe die Gesichtszüge des Dirigenten. Als er später mehr über ihn erfuhr, erkannte er auch charakterliche Ähnlichkeiten der beiden. Auf einer unbewussten Ebene hatte Böhm seine Puppe inspiriert. Habjans Instinkt brachte ihn auch auf die Idee, Hochgatterer 12 zu fragen, ob er ein Theaterstück über Böhm schreiben möchte. Dieser Name traf bei dem Autor und Kinderpsychiater auf besonderes Interesse: »Karl Böhm hat in meiner Musiksozialisation eine wesentliche Rolle gespielt. Mein Vater, der zwar weder Musiker noch Musiklehrer war, Musik jedoch sehr mochte, hat Karl Böhm außerordentlich geschätzt.« Die Schallplatten mit Böhms Interpretation der Symphonien Beethovens und Bruckners prägten Hochgatterer. Später habe er »angefangen, mich für die Person Karl Böhm zu interessieren und bin draufgekommen, dass nicht alles so glatt war, wie es ausgeschaut hat. Daher kam diese Einladung zum richtigen Zeitpunkt. Ich bin hineingekippt in die Recherche und in Wahrheit bis heute nicht wieder aufgetaucht.« Hochgatterer forschte tief in der Biografie des Dirigenten, durchstöberte Archive und studierte die Persönlichkeit, wie sie sich unter anderem in den Probenmitschnitten zeigt, die heute auf YouTube

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