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Festspielzeit Sommer 2018

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Das Magazin der Bregenzer Festspiele

WERKSTATTBÜHNE ren

WERKSTATTBÜHNE ren Elementen, Melodiebögen und Leitmotiven. »Thomas' Musik ist zugänglich, finde ich, obwohl sie sehr vielschichtig und komplex ist«, so Gösweiner. Larcher: »Ich vergleiche die Musik gerne mit einem impressionistischen Bild, wo die wahrgenommene Farbe aus vielen unterschiedlichen Tupfern besteht. Wie so ein Himmel aus vielen verschiedenen Schichten.« DIE TIEFEN EINSICHTEN EINES DICHTERS Am Anfang der Arbeit an der Oper stand neben dem Auftrag der Bregenzer Festspiele und der Begeisterung für Inoues Novelle auch der Wunsch, mit dem Tenor Mark Padmore zusammenzuarbeiten. Für Mark Padmore hat Larcher bereits den Liederzyklus A Padmore Cycle geschrieben. An dem britischen Tenor fasziniere ihn sein Intellekt, »eine blutbefleckte Schönheit« ausstrahlte, ein treffendes Symbol für Josukes Leben gefunden. »Das Buch handelt somit auch von der Kraft der Literatur«, erzählt Friederike Gösweiner. So schreibt Josuke in seinem Brief an den Autor: »Und ich bewunderte zum ersten Mal in meinem Leben die ungewöhnlich tiefe Einsicht eines Dichters.« Thomas Larcher: »Es gibt im Buch viele Themen, die ich gut kenne: das Gefangensein in sich selbst, in einer Beziehung, die Komplexe von Verlassen und Verlassenwerden, die Schuld. Das sind Motive, die auch in anderen Werken von mir eine Rolle spielen.« DIE UMSETZUNG IM SOMMER An der Partitur hat Larcher nun ganze zwei Jahre gearbeitet. Im Lauf der Zeit haben die Autorin und der Komponist sich immer wieder mit dem Regisseur Karl »Musik ist wie ein impressionistisches Bild – die wahrgenommene Farbe besteht aus vielen unterschiedlichen Tupfern.« THOMAS LARCHER seine Affinität zur Literatur und seine Offenheit, vom klassischen Gesang abzuweichen: »Mark hat keine Probleme damit, seine Stimme anders einzusetzen, als man es bei klassischen Interpretationen gewöhnt ist. Das ist außergewöhnlich für einen Sänger.« Padmore wird jenen Dichter verkörpern, der durch die ihm zugesandten Briefe erkennen muss, wie sich seine eigene Literatur in echtes Leben verwandelt. Intuitiv hatte er die Einsamkeit des Jägers Josuke erfasst, der an ihm vorübergegangen war. Er hatte in der Jagdflinte selbst, die für ihn Markovics und der Ausstatterin Katharina Wöppermann abgesprochen. »Ich kenne Karl schon länger. Vor allem sein Debüt als Filmregisseur, Atmen, hat mich durch die atmosphärischen Details sehr beeindruckt.« Markovics habe sich für das Projekt keine Guckkastenbühne gewünscht, sondern einen geöffneten Raum. Die Werkstattbühne als Ort der Aufführung passe daher sehr gut. Thomas Larcher steht für die Oper ein kleiner Chor zur Verfügung. »Bei 17 Instrumenten und 38

THOMAS LARCHER und FRIEDERIKE GÖSWEINER erschufen mit Das Jagdgewehr ihre erste Oper. Der Komponist und die Librettistin stammen beide aus Tirol. Larcher ist international für seine innovative Musik und sein besonderes Interesse für die Singstimme bekannt. Gösweiners vielbeachteter Debütroman Traurige Freiheit wurde 2016 mit dem Österreichischen Buchpreis ausgezeichnet. WERKSTATTBÜHNE DAS JAGDGEWEHR Thomas Larcher DAS JAGDGEWEHR fünf Solisten ist der Chor wie ein zusätzliches Instrument. Er vervielfacht die Stimmen, er hat etwas sehr Weiches und erzeugt gleichzeitig einen großen Raum.« Diese »Verstärkung« ist vielleicht auch wichtig bei einer Vorlage, in der die Konflikte zurückhaltend ausgetragen werden. »Ich denke an den Moment, wenn Josuke sich unbeobachtet glaubt und mit seiner Flinte auf seine Ehefrau zielt, während sie ihn seelenruhig im Spiegelbild beobachtet«, so Larcher. »Oder als Midori ihren Ehemann mit ihrer Cousine am Strand entdeckt, vor diesem weiten Hintergrund des Meeres, und wie sie dann einfach davongeht, ohne einzugreifen.« Es seien diese innerlich dramatischen Momente, ihre Tiefe und ihre Melancholie, die den Reiz von Yasushi Inoues Buch ausmachten, erzählen die beiden. AUSBLICKE Vor seiner Karriere als Komponist war Thomas Larcher ein erfolgreicher Konzertpianist. Seine Auftritte, die ihn um die halbe Welt führten, vermisse er aber nicht. Zwar würde er gern hin und wieder mehr spielen können. »Aber das Leben als Pianist mit dem ständigen Fokus auf den Moment ist ziemlich nervenaufreibend. Das Komponieren ist viel ruhiger. Und ich bin auch jemand, der relativ lange braucht, um ein Werk fertigzustellen.« Die kommenden Jahre sind bereits mit Aufträgen gefüllt. »Momentan plane ich für das Jahr 2024 voraus.« Er freue sich nun darauf, bei den diesjährigen Bregenzer Festspielen neben seiner Oper auch seine Symphonie Alle Tage zu hören, ein Werk für Bariton und Orchester, in dem Larcher Gedichte von Ingeborg Bachmann verarbeitete. Außerdem wird A Padmore Cycle aufgeführt, selbstverständlich mit Mark Padmore als Tenor. Friederike Gösweiner wiederum, die für ihren 2016 erschienenen Roman Traurige Freiheit den Österreichischen Buchpreis für Debüts erhielt, arbeitet derzeit an einem neuen Prosawerk. Ein Libretto würde sie, so die Autorin, gerne wieder schreiben, beim nächsten Mal wahrscheinlich mit einem eigenen Stoff. Premiere 15. August 2018 – 20.00 Uhr Vorstellungen 17. & 18. August – 20.00 Uhr PARKSTUDIO | FESTSPIELHAUS Ö1 KLASSIK-TREFFPUNKT 4. August – 10.00 Uhr Gäste: Elisabeth Sobotka, Thomas Larcher, Michael Boder und Karl Markovics Eintritt frei SEESTUDIO | FESTSPIELHAUS MUSIK & POESIE A PADMORE CYCLE 5. August 2018 – 19.30 Uhr FESTSPIELHAUS ORCHESTERKONZERT WIENER SYMPHONIKER 6. August 2018 – 19.30 Uhr mit Werken von Thomas Larcher und Ludwig van Beethoven 39

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