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Festspielzeit Sommer 2019

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Das Magazin der Bregenzer Festspiele

Das Publikum der

Das Publikum der Bregenzer Festspiele konnte Sie bereits in zwei Konzerten mit den Wiener Symphonikern und bei Rossinis Moses in Ägypten, der Oper im Festspielhaus 2017, kennenlernen. Nun dirigieren Sie zum ersten Mal eine Oper auf der Seebühne. Was reizt Sie, an diesem Ort zu arbeiten? Enrique Mazzola: Ich weiß, dass die Oper auf der Seebühne eine große musikalische Herausforderung ist. Die Entfernung, die Arbeit über Monitore, die Balance des Klangs … Wir werden die beste verfügbare Technik benutzen, um ein echtes Opernhaus erstehen zu lassen – unter freiem Himmel! Ist das nicht fantastisch? Wie bereiten Sie sich auf die Arbeit unter diesen besonderen Bedingungen vor? Ich denke, die Grundlage ist eine intensive musikalische Vorbereitung, gemeinsam mit den Sängerinnen und Sängern und dem Orchester. Wir werden über alle Tempi, Kadenzen, Verlangsamungen und Beschleunigungen entscheiden in 10

einer Art, dass wir alle der gleichen musikalischen Struktur und den gleichen Impulsen folgen. Rigoletto ist eine der populärsten Opern der Welt, vor allem wegen der berühmten Arie »La donna è mobile«. Was fasziniert Sie an dieser Oper? Faszinierend finde ich die neue düstere Klangsprache, die Verdi für diese wirklich dunkle Geschichte gefunden hat. Das Orchester und der Chor sind nicht nur bloße Begleitung, sondern haben ihren Anteil daran, sämtliche Farben dieser Oper darzustellen: Unschuld, Angst, Schrecken, Nacht. Mit diesen Farben folgt Verdi einer starken Dramaturgie von spektakulären Effekten und intimen Momenten. Wie lässt sich diese Musik beschreiben? Bei Rigoletto befinden wir uns mitten im Zentrum der italienischen Opernromantik: Die Musik spricht nicht mehr von Idealen wie in den ernsten Opern Rossinis – wie unserem großartigen Moses in Ägypten –, sondern über Situationen, Gefühle und Meinungen. Verdi möchte, dass wir die Gefühle mit den Charakteren auf der Bühne teilen, und dafür drängt er das Orchester zu für seine Zeit extremen Gesten: großes Fortissimo oder extremes Pianissimo, geflüsterte Chöre, räumliche Effekte, indem die Banda oder verschiedene Orchestergruppen in unterschiedlichen Positionen spielen. Das Quartett im dritten Akt präsentiert uns eine wahre Raummusik: Der Herzog singt im Halbschlaf im oberen Stockwerk, Gilda wartet vor der Bar, darin befinden sich Sparafucile und seine Schwester. Wie erzeugt Verdi diese Räume selbst in der Musik? Das stimmt: Rigoletto ist wahrscheinlich die erste Oper, in der Verdi verschiedene besondere Situationen erzeugt, im Orchester wie auf der Bühne. Das Quartett ist dafür das perfekte Beispiel. Es besteht im Wesentlichen aus einem Doppelduett: der Herzog mit Maddalena und Rigoletto mit Gilda. Aber was wirklich diesen Spezialeffekt hervorruft, ist, dass jeder der vier Charaktere auf eine andere Weise singt, jeweils mit seinem eigenen Stil: der Herzog auf eine melodische, verführerische Art; Maddalena, die sich über diese groteske Verführung amüsiert; Rigoletto mit den kurzen Noten, die seine Rache anzeigen; und Gilda mit Worten, die durch Weinen gebrochen werden. Wie in vielen seiner Opern schreibt Verdi für eine Banda, eine Musikkapelle, um dem ausgelassenen Fest des Herzogs zu Beginn eine lebhafte Atmosphäre zu verleihen. Was macht diese besondere Klangwelt aus? Die Idee der Banda ist die Idee einer italienischen »festa«! Alles ist Tanz, Freude, »follia« (Wahnsinn)! Verdi schrieb eine schnelle und witzige Musik für die Banda, die vier verschiedene Themen ununterbrochen wiederholt. Das ist Verdi in Rigoletto: ein moderner Komponist, ein romantischer Musiker, eine Seele, die die menschlichen Geheimnisse erforscht – durch den Zauber der Oper! ENRIQUE MAZZOLA gehört zu den gefragtesten Dirigenten seiner Generation und gilt als Experte sowohl des Belcanto als auch des französischen Repertoires. Seit 2012/13 ist er künstlerischer und musikalischer Leiter des Orchesters National d'Île de France, seit 2018/19 zudem Erster Gastdirigent an der Deutschen Oper Berlin. Im Oktober 2018 wurde er für seinen bedeutenden Beitrag zum Musikleben in Frankreich zum Chevalier de l'ordre des Arts et des Lettres ernannt. RIGOLETTO 11

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