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Festspielzeit Sommer 2019

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Das Magazin der Bregenzer Festspiele

OPER IM FESTSPIELHAUS In

OPER IM FESTSPIELHAUS In den vergangenen Jahren haben Sie sehr unterschiedlichen Rollen gesungen wie Scarpia in Tosca, Blaubart in Herzog Blaubarts Burg, Sarastro in Die Zauberflöte, Escamillo in Carmen und gerade in Hamburg Philippe II. in Verdis Don Carlos. Welche Bedeutung hat nun die Titelrolle in Jules Massenets Don Quichotte für Sie? Gábor Bretz: Ich denke, dass diese Oper sehr unterschätzt ist, obwohl sie wunderschöne Musik enthält. Es gibt keine wirklich großen Arien für mich wie zum Beispiel bei Philippe II., aber eine schöne Melodie folgt der anderen, das ist sehr gut geschrieben. Man merkt dieser Musik an, dass sie im Austausch mit dem Sänger Fjodor Schaljapin entstanden ist. Es gab einen echten Dialog zwischen Komponist und Sänger. Kannten Sie die Oper schon vorher oder haben Sie sie für die Bregenzer Festspiele neu erarbeitet? Ich habe die Oper noch nie auf der Bühne gesehen, da sie selten aufgeführt wird. Der Roman war mir natürlich bekannt. Vor einigen Jahren, 2016, wurde weltweit der 400. Todestag von Miguel de Cervantes groß gefeiert. Schon in der Schule bin ich auf dieses tolle Buch aufmerksam geworden. Massenets Oper ist aber eher unbekannt. Es ist überhaupt das erste Mal, dass ich eine Oper von Massenet singe. Die Oper ist auf Französisch komponiert. Ihr Repertoire umfasst Rollen in sehr verschiedenen Sprachen: Italienisch natürlich, aber auch Russisch, Deutsch, Tschechisch und eben Französisch. Wie erarbeiten Sie sich diese vielen Sprachen? Englisch und Deutsch habe ich bereits in der Schule gelernt, auch Russisch – quasi als Nachwirkung des Sozialismus. Für Französisch sowie Italienisch bekam ich privat Unterricht. Immer wieder singe ich in Italien und Frankreich, das hilft natürlich, die Sprache dort täglich zu benutzen. Dieses Jahr ist für mich ein französisches: Ich habe Escamillo in Budapest und Hamburg gesungen, Philippe II. in Hamburg, im Sommer Don Quichotte und im Winter werde ich in Brüssel die Bösewichte in Hoffmanns Erzählungen singen. Welche Herausforderungen stellt besonders die französische Sprache für Sie dar? Für mich war es anfangs herausfordernd, die Sprache wirklich schön zu singen. Als Ausländer ist das nicht einfach, übrigens auch bei anderen Sprachen. Herzog Blaubarts Burg ist für einen Nicht-Ungarn vielleicht sogar unmöglich perfekt zu singen. Interessant fand ich zu erleben, wie unterschiedlich die französische Sprache ausgesprochen werden kann. 2009 habe ich an der Mailänder Scala Zuniga in Carmen gesungen und gesprochen – wir haben die Fassung mit den gesprochenen Dialogen aufgeführt. Auch unter den Franzosen und sehr gut französisch sprechenden Kollegen gab es unterschiedliche Meinungen. Seitdem arbeite ich intensiv an der französischen Sprache. Wie haben Sie sich die Rolle des Don Quichotte angeeignet? Zuerst möchte ich das Stück Wort für Wort verstehen. Dafür habe ich mich mit einem befreundeten Tenor, Grégorie Fedorenko, zusammengesetzt, der Franzose ist, und mit ihm gemeinsam den Text und die richtige Aussprache erarbeitet. Französisch zu singen ist etwas anderes als es zu sprechen. Es war auch interessant zu hören, dass die Sänger auf den verschiedenen Aufnahmen sehr unterschiedlich singen. Wie sehen Sie den Don Quichotte in der Oper? Ich erkenne in ihm immer wieder bestimmte Charakterzüge von Don Giovanni und Blaubart. Er ist ein idealistischer Mann, der von Liebe angetrieben wird, und er kann »Don Quichotte wird von Liebe angetrieben und kann nicht erreichen, was er begehrt.« genau wie Don Giovanni und Blaubart nicht erreichen, was er begehrt. Anders als in den meisten Opern ist der Bass hier der leidenschaftlich Liebende, der sonst meistens der Tenor ist. Don Quichotte äußert seine Liebe gegenüber Dulcinée – die in der Oper anders als bei Cervantes eine reale Figur ist – sehr berührend und begibt sich für sie sogar in Lebensgefahr, als er ihr den gestohlenen Schmuck zurückholen möchte. Die Räuber kann er schließlich davon abhalten ihn zu töten, weil er ein 16

ergreifendes Gebet singt. Ist das nur die Geschichte auf der Opernbühne oder kann Musik tatsächlich Menschen verändern? Ich bin mir sicher, dass Musik Menschen ändern kann, vielleicht nicht für immer, aber zumindest für den Moment kann sie verzaubern. So habe ich es auf einer Straße in Mexico City erlebt, wo mich ein blinder Gitarrist und Sänger mit seiner Musik extrem berührt hat. Ich versuche, mich immer wieder an das Lied zu erinnern, aber es gelingt mir leider nicht. Doch das Gefühl werde ich nie vergessen. War letztlich dieses Gefühl auch entscheidend, dass Sie Sänger geworden sind? DON QUICHOTTE Wahrscheinlich hat mich eher die Vorstellung, den ganzen Tag in einem Büro zu sitzen, davon abgehalten. Ich habe zunächst Wirtschaft studiert und mit Diplom abgeschlossen. Parallel dazu habe ich jedoch angefangen, am Béla-Bartók-Konservatorium in Budapest Gesang zu studieren. Gesungen habe ich schon als Kind im Chor und auch Klavierspielen habe ich gelernt. Aber meine letzte Gesangsprüfung im Studium habe ich erst mit 30 Jahren abgelegt. Doch die meisten Bassrollen sind ohnehin ältere Menschen, Väter, alte Priester … In den vergangenen Jahren habe ich aber auch einige Partien gesungen, die höher liegen, wie fliegender Holländer, Scarpia, Jochanaan in Salome, Escamillo. Die Bässe in der Oper sind ja oft die Bösewichte. Wie gehen Sie an diese Rollen heran und fügt sich Don Quichotte hier auch ein? Ich versuche immer zu verstehen, warum diese Figuren so handeln. Bei Scarpia habe ich zum Beispiel versucht, ihn nicht eindimensional aufzufassen. Ich sehe ihn stattdessen als jemanden, der Tosca so sehr liebt, dass die Liebe ihn verleitet, diese schrecklichen Dinge zu tun. Don Quichotte wirkt in der Oper beinahe so kindlich und naiv, dass man ihn eigentlich nur lieben kann. Steckt dieser kindliche Wunsch, wie Don Quichotte ein anderer zu sein und seiner Phantasie zu folgen, nicht in uns allen? Was wäre Ihre Phantasie? Ich denke, jeder hat einen Traum, jemand anderes zu sein. Wenn ich kein Sänger wäre, würde ich mit meiner Frau zusammen als Chocolatier arbeiten. Sie hat diese unglaublich kreative Arbeit als Ausgleich zur Erziehung unserer sieben Kinder begonnen. Das ist auch eine Kunst, die ich sehr bewundere. GÁBOR BRETZ gastiert regelmäßig in seiner Heimat an der Ungarischen Staatsoper; weitere Engagements führten ihn u. a. nach New York, Moskau, Mailand, Berlin und Wien sowie zu den Festspielen in Aix-en-Provence und Salzburg. Bei den Bregenzer Festspielen ist er diesen Sommer neben der Oper im Festspielhaus auch im Konzert mit den Wiener Symphonikern zu erleben. OPER IM FESTSPIELHAUS DON QUICHOTTE Jules Massenet Premiere 18. Juli 2019 – 19.30 Uhr Vorstellungen 21. Juli – 11.00 Uhr 29. Juli – 19.30 Uhr Festspielhaus 17

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