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Festspielzeit Sommer 2021

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Das Magazin der Bregenzer Festspiele

FESTSPIELHAUS AUSWEITUNG

FESTSPIELHAUS AUSWEITUNG DER GRENZEN A Line above the Sky lautet der Untertitel zu Thomas Larchers dritter Symphonie, die bei den Bregenzer Festspielen erstmals live vor Publikum aufgeführt wird. Die Komposition ist das Hauptwerk im ersten Festspielkonzert, das der junge Chefdirigent des Symphonieorchesters Vorarlberg Leo McFall leitet. Er setzt Larcher in Beziehung zu Ludwig van Beethoven und Joseph Haydn. 12

Es ist ein Konzert der Anfänge und der Verbindungen: Bei der Matinee am 22. August dirigiert der Brite Leo McFall zum ersten Mal bei den Bregenzer Festspielen ein Orchesterkonzert und hat dabei unter anderem Joseph Haydns erstes in England komponiertes Werk, die Sinfonia concertante Hob. I:105, aufs Programm gesetzt. Konzertmeister Paweł Zalejski und Fagottistin Heidrun Wirth-Metzler vom Symphonieorchester Vorarlberg sowie die Gäste Mathias Johansen (Violoncello) und Viola Wilmsen (Oboe) sind darin als Solisten zu hören. Thomas Larcher, dessen Oper Das Jagdgewehr nach der Uraufführung bei den Bregenzer Festspielen 2018 beim Aldeburgh Festival zu sehen war, kehrt mit einem neuen Orchesterwerk an den Bodensee zurück. Der Konzert-Auftakt kommt von Ludwig van Beethoven: Die Ouvertüre zu Egmont op. 84, komponiert als Eröffnungsmusik zum Trauerspiel von Johann Wolfgang Goethe, führt längst auch ein eigenständiges Leben als Konzertstück. Ballards in den Dolomiten und eine der außermusikalischen Quellen, die der österreichische Komponist in seine Werke einfließen lässt. Andere sind literarischer Natur wie die Gedichte von Ingeborg Bachmann (Alle Tage, 2010–15), leiten sich aus einem Film ab (Böse Zellen nach Barbara Albrecht, 2006|07) oder aus den Nachrichten wie die der fortdauernden Flüchtlingskatastrophe im Mittelmeer (Kenotaph, 2015|16). Es wäre verführerisch, im Fall von A Line above the Sky aus den Tönen und Klängen steil abfallende Felswände oder die gezackte Linie einer Bergkette vor dem Himmel heraushören zu wollen. Doch es entspricht nicht der Absicht des Komponisten. Denn mit Programmmusik haben Larchers Werke nichts zu tun. Im Fall der dritten Symphonie geht es vielmehr um die elementaren Dinge: um das Leben in all seiner Intensität, um Tod und Trauer. VIELFALT UND OFFENHEIT Fragt man Larcher nach musikalischen Hintergründen und Einflüssen, dann erfährt man von einem weit gefassten Zugang zu verschiedenen Epochen und Genres. Sein musikalisches Fundament bildet eine frühe, professionelle Auseinandersetzung mit Klassik und Romantik. Doch wenn es darum geht, unbekanntes Terrain zu erkunden, kennt er – von der Alten Musik bis hin zu ganz aktuellen Entwicklungen – nur wenig Begrenzungen. In Bezug auf das 20. Jahrhundert etwa sei er vor allem »amerikanisch geprägt, durch Jazz und Steve Reich, John Adams, in Europa Béla Bartók und György Ligeti«. In einer Tradition der Spätromantik wie etwa des symphonischen Werks Gustav Mahlers oder der seriellen Musik aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts sieht er sich selbst hingegen kaum. Dementsprechend schreibt Larcher für Interpreten – Solisten, Kammer- und Orchestermusiker –, die eine klassische Ausbildung haben und zugleich dafür offen sind, darüber hinauszugehen. Das Symphonieorchester Vorarlberg gehört ebenso dazu wie das Concertgebouw Amsterdam, das Philharmonische Orchester Brno, ORCHESTERKONZERTE MUSIK ÜBER DIE ELEMENTAREN DINGE In Egmont tritt der Titelheld so bedingungslos für die Freiheit seines Volkes ein, dass er schließlich den Tod findet. Der britische Extremkletterer Tom Ballard nahm sich hingegen die individuelle Freiheit, in den Bergen an die äußersten Grenzen zu gehen – und bezahlte seine uneingeschränkte Risikobereitschaft 2019 mit dem Leben. A Line above the Sky, der Untertitel zu Thomas Larchers dritter Symphonie, bezieht sich darauf. Es ist der Name einer extrem schwierigen, überhängenden Kletterroute Zum ersten Mal bringen die Bregenzer Festspiele Thomas Larchers dritte Symphonie auf die Konzertbühne. 13

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