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Festspielzeit Sommer 2022 - 2

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Das Magazin der Bregenzer Festspiele

WERKSTATTBÜHNE

VERTRAUTES MATERIAL MIT EIGENLEBEN Die Komponistin Brigitta Muntendorf beschäftigt sich in ihrem neuesten Werk Melencolia mit einer besonderen Gemütsstimmung und schafft einen abwechslungsreichen und inspirierenden Abend. Ein Gespräch über mögliche Erlösung, Neue Musik und Künstliche Intelligenz. MELENCOLIA Ihr Stück Melencolia haben Sie nach dem Gefühl der Melancholie benannt. Wie definieren Sie Melancholie: als Krankheit und Vorstufe zur Depression oder als Schwester der Genialität? Brigitta Muntendorf: Das Schöne an der Melancholie ist, sie entzieht sich eindeutigen Zuschreibungen und jeder Versuch einer Definition führt zur Vereinfachung und somit zur Entzauberung oder Verflachung. Ich würde Melancholie als eine Haltung beschreiben, die uns erlaubt oder uns vielleicht auch zwingt, Widersprüche zu beobachten und auszuhalten. Ein Stillstand, der jedoch keinesfalls – wie bei der Depression – pathologisch ist, sondern uns in eine tiefe Auseinandersetzung mit uns und der Welt führt. Würden wir der Unbestimmtheit, der Vergänglichkeit und Widersprüchlichkeit einen festen Stellenwert in unserem Denken und Fühlen einräumen, könnten wir auf diesem Planeten vielleicht eine andere Form des Zusammenlebens finden. Sie verwenden Texte aus verschiedenen Jahrhunderten zum Thema Melancholie: Was, außer der Überschrift, verbindet einen 500 Jahre alten Text des Schriftstellers Robert Burton mit der zeitgenössischen Lyrik von Kae Tempest? Es ist die jeweilige Suche nach aktuellen Antworten auf die immer und immer gleichen Fragen, die sich nie ändern werden. Aber die Antworten sind in jeder Generation, jeder kulturellen Verwurzelung und sozialen Umgebung anders. Zu Burtons Zeit 13 kam der Begriff und die Praxis der Anatomie in Kunst, Medizin und Wissenschaft auf, so versucht er in der »Anatomie der Melancholie«, die Gründe der – unglücklichen – Melancholie anhand von Beobachtungen des menschlichen Verhaltens zu erforschen. Die Texte von Kae Tempest holen die Götter vom Himmel an die Supermarktkasse und der Schriftsteller Jean-Philippe Toussaint findet in Zinédine Zidanes Kopfstoß bei der Fußball-WM 2006 das zutiefst melancholische Moment: die letzte Flucht vor dem vollendeten Werk. Albrecht Dürers Bild Melencolia I wird in der Beschreibung zu ihrem Stück als »Sinnbild für die Widersprüche und das Unlösbare inmitten menschlicher Sehnsucht

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