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Festspielzeit Sommer Extra 2018

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Das Magazin der Bregenzer Festspiele

DIE BÜHNE IM AUGE Ihr

DIE BÜHNE IM AUGE Ihr beide dokumentiert für die Kommunikationsabteilung quasi den ganzen Jahresbetrieb der Bregenzer Festspiele. Wie läuft das ab? Lisa Mathis: Wir erhalten Anfang des Jahres einen Plan mit allen wichtigen Terminen wie Pressekonferenzen, Eröffnung, Premieren, Orchesterkonzerte und so. Was feststeht, bekommen wir also lange vorher, und dann ergeben sich kurzfristig noch einmal so viele Termine zwischendurch. Dietmar Mathis: Das sind die schnellen und die spontanen Jobs. Wenn zum Beispiel beim Bühnenaufbau ein Kulissenteil angeliefert wird, heißt es: Kannst du schnell um vier hier sein? Oder: In der Werkstatt wird gerade das Gerüst zusammengeschraubt, sie werden gegen drei Uhr fertig sein, dann sieht man nicht nur Eisenteile … Wie oft steht ihr beide gleichzeitig im Einsatz? Dietmar M.: Selten, eigentlich nur bei der Eröffnung. Diese beginnt um neun Uhr und ist zu Mittag fertig. Um halb eins sollten für die Medien bereits alle Bilder draußen sein. Wir dokumentieren vom Eintreffen der Gäste bis zur Premierenparty nach Mitternacht. Lisa M.: Wenn der große Ansturm herrscht, bin ich zuerst auch draußen vor dem Festspielhaus, dann aber drinnen und bereite die Bilder für die Kommunikationsabteilung vor. Schon fertig bearbeitet? Lisa M.: Immer. Bearbeitet und beschriftet. Man muss auch den Überblick behalten, was schon rausgegangen ist. Das heißt, es ist dann ein bisschen stressig … Lisa M.: Wenn du ein gutes System hast, geht das. Du musst halt schnell sein. Zum einen geht's chronologisch, zum anderen müssen die sogenannten Hauptbilder, zum Beispiel das Gruppenbild mit dem Bundespräsidenten, als erste raus. Aber das weiß man mit den Jahren. Gibt es ein Foto, das euch besonders in Erinnerung geblieben ist, weil es besonders spektakulär war oder einfach nur schwierig zu kriegen? Lisa M.: Einmal haben wir von Turandot die ganze Aufführung in Zeitraffer fotografiert. Das hat sich durch die Türme angeboten, durch die wir von der Seite aus einen Teil der Mauer, die ganze Bühne und die Tribüne fotografieren konnten. Es war ziemlich weitwinklig, aber das ergab ein tolles Kurzvideo der Aufführung. Oder was mich sehr gefreut hat, war ein Zeitungsinterview mit Festspielintendantin Elisabeth Sobotka, bei dem zunächst keine Fotos gemacht werden sollten, weil es nicht mit allen abgesprochen war. Kurzfristig wurde dann entschieden, doch zu fotografieren. Später habe ich dann erfahren, dass ihr neues Lieblingsfoto dabei entstanden sei. Gibt es auch Fotos, bei denen ihr sagen müsst: »Das geht nicht« ? Dietmar M.: »Geht nicht«, gibt es eigentlich nicht mit der heutigen Technik. Früher warst du mit der ASA-Lichtempfindlichkeit begrenzt, bei 1.600 war fertig. Ich erinnere mich an ein Klavierkonzert mit Grigori Lipmanowitsch Sokolow. Danach habe ich einen Techniker gefragt, ob sie einen Stromausfall hatten. Nein, der Pianist wolle völlig im Dunkeln spielen. Da bin ich an die Grenzen gestoßen. Für Zeitungsfotos hat es gereicht, digital war das möglich. Mit analogem Film wäre es nicht gegangen. Stichwort Technik. Wie ist das Arbeiten auf der Bühne und im Festspielhaus? 007 vor der Linse: 2008 drehte das James-Bond-Team für den Film Ein Quantum Trost bei den Bregenzer Festspielen. Dietmar Mathis war mit der Kamera bei den Dreharbeiten stets dabei. Dietmar M.: Es ist von den Bregenzer Festspielen aus alles sehr gut vorbereitet und organisiert. Die Leute sind da, wenn man jemanden braucht, und du kommst überall hin. Anderswo sind oft die Türen verschlossen. Hier arbeiten – vom Portier bis zur Chefetage hinauf – alle am selben Ziel, hier sagt jeder: Wir wollen ein tolles Ergebnis haben! Für mich ist es das gute Bild, 14

Licht aus, Kamera an: Kongresskultur Bregenz beteiligt sich alljährlich an der Initiative »Earth Hour« und schaltet am Aktionstag zum Zeichen des Klimaschutzes für eine Stunde alle Lichter im Festspielhaus aus. Auch die Kulisse auf der Seebühne wird dann dunkel. Lisa Mathis fing die besondere Stimmung ein. LISA UND DIETMAR MATHIS für die Kommunikationsabteilung, wenn die Zeitung das Bild abdruckt, und für die Mitarbeitenden, wenn die Aufführung viele Besucher begeistert. Um nicht zu stören, solltet ihr als Fotografen eigentlich im Hintergrund bleiben. Kommt ihr dennoch auch mit den Künstlerinnen und Künstlern in Kontakt? Lisa M.: Ganz unterschiedlich. Wir machen auch immer wieder Porträts von ihnen oder den Regisseuren. Da führst du aber keine langen Gespräche, weil sie meistens unter Zeitdruck stehen. Du musst einfach schnell gute Qualität liefern. Dietmar M.: Die Künstler sind meistens problemlos. Ihre Manager stellen sie oft als komplizierter dar, als sie eigentlich sind. Der Manager sagt: Mein Künstler geht unmöglich höher als zehn Zentimeter rauf, viel zu gefährlich! Und der Künstler klettert dann freiwillig gleich die ganze Leiter hoch … Lisa M.: Ich denke, bei den Bregenzer Festspielen sind die Künstler von vornherein schon darauf eingestellt, dass sie gewagtere Sachen machen als vielleicht an anderen Bühnen. Lieber Seebühne oder Hausoper? Was ist vom Fotografischen anspruchsvoller? Lisa M.: Wo das schönere Bild ist! Auf der Seebühne ist es zwar zwei Jahre lang dasselbe Stück, die Stimmung verändert sich aber immer wieder. Also ist auch jedes Mal anders. Dietmar M.: Das Faszinierendste für mich ist immer das Licht bei der Oper im Festspielhaus mit ihren Effekten, mit spiegelnden Böden, Nebel … da bist du am Staunen. Aber ob Seebühne oder Saal, ganz gleich: Von der Technik her ist alles so gut ausgeleuchtet, dass es ein feines Arbeiten ist. Da steht nicht, wie sonst manchmal, der eine zufällig gerade im Schatten und der andere voll im Licht. 15 Begeistert man sich durch diese Jobs für die jeweilige Oper? Dietmar M.: Zum Opernhören komme ich nicht, weil ich immer warten muss, bis sie laut singen. Wenn jemand piano singt, kann ich nicht abdrücken. Lisa M.: Wir warten auf die Pauke! DIETMAR UND LISA MATHIS sind Vater und Tochter und sorgen bei den Bregenzer Festspielen für ein lückenloses Fotoarchiv. Faszination für Fotografie ließ sich in diesem Fall genauso vererben wie das Gespür für den richtigen Moment und der flinke Finger am Auslöser.

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