Aufrufe
vor 2 Jahren

Festspielzeit Sommer Extra 2018

  • Text
  • Carmen
  • Trickkiste
  • Fassbaender
  • Sevilla
  • Markovic
  • Jagdgewehr
  • Larcher
  • Festspiele
  • Bodensee
  • Bizet
  • Rossini
Das Magazin der Bregenzer Festspiele

OPERNSTUDIO Sie ist eine

OPERNSTUDIO Sie ist eine der ganz Großen der Opernwelt: Brigitte Fassbaender hat als Sängerin in ihrer über drei Jahrzehnte währenden Karriere nicht nur in Partien von Richard Strauss Maßstäbe gesetzt. In legendären Hosenrollen wie Octavian oder Sesto, als Carmen oder Eboli, als Charlotte in Massenets Werther, als Brangäne in Tristan und Isolde oder Orlofsky in der Fledermaus gestaltete sie ihre Rollen mit intensivem musikalischen Ausdruck und Stimmkultur, reflektierter Figurenauffassung und darstellerischer Leidenschaft. Vielleicht beruhen auf dieser glücklichen Balance aus Hingabe und Kontrolle auch Fassbaenders Erfolge als Gesangspädagogin, Regisseurin und Intendantin. Ihr von vielen als zu früh beklagter, entschlossener Abschied von der aktiven Sängerkarriere erscheint im Rückblick dramaturgisch perfekt, denn daraus entstanden neue Herausforderungen – und Brigitte Fassbaender lässt sich gerne herausfordern. Ganz experimentell begann sie mit einer Hochschulinszenierung zweier Einakter in München; sie trennte sich von ihrer Paradepartie Octavian und übernahm die szenische Neueinstudierung »ihres« Rosenkavaliers an der Bayerischen Staatsoper mit einem jungen Sängerensemble. Bald folgte die erste Regieeinladung an die Oper in Coburg. Inzwischen liegen 75 Inszenierungen und 13 Jahre Intendanz am Tiroler Landestheater hinter ihr, in denen sie das Dreispartenhaus mit abwechslungsreichen Spielpänen, künstlerischem Anspruch und engagierter Ensemblepflege positionierte. Als Regisseurin zeigt sie mit intelligenten, facettenreichen Inszenierungen, dass sich herzhafter interpretatorischer Zugriff, handwerkliche Genauigkeit und Verpflichtung gegenüber Komponist und Dichter nicht ausschließen, sondern fabelhafte Synthesen ergeben. Brigitte Fassbaenders Inszenierungen sind nie laut und vordergründig – und sie inszeniert nicht sich oder eine Regie-Marke, sondern das Stück, mit wachem Blick für die Zeitgenossenschaft von Werk und Publikum: zuletzt zu erleben an der Oper Frankfurt in ihrer Capriccio-Inszenierung. Richard Strauss zählt auch für die Regisseurin Fassbaender zu den Lieblingskomponisten, ebenso Benjamin Britten. Was interessiert sie an Rossinis Barbier von Sevilla? »Alles. Ich bin ein großer Rossini-Fan, das ist eine blitzgescheite, wunderbare Musik, sie beflügelt und inspiriert. Zusammen mit Don Pasquale ist der Barbier eine der größten Komödien, die es für die Opernbühne gibt – eine große Herausforderung und das interessiert mich immer!« Don Pasquale hat sie in München inszeniert, Rossinis Cenerentola sogar schon drei Mal – in Coburg, Innsbruck und zuletzt in München, doch den Barbier noch nie. »Ich hab auch nie Rosina auf der Bühne gesungen, also ist meine Fantasie ganz frei – und das find ich gut.« Rossinis berühmteste Opera buffa ist ein Ensemblestück par excellence – und für eine junge Besetzung wie die des Bregenzer Opernstudios nicht nur sängerisch anspruchsvoll. Die jungen Solisten sind fertig ausgebildet, teils Wettbewerbssieger, manche bereits in Opernstudios engagiert und bringen schon etwas Bühnenerfahrung mit. Für die Regisseurin heißt das, »ein bisschen mehr Rücksicht zu nehmen auf die jungen Stimmen: Die sind natürlich noch nicht so belastbar wie routinierte Sänger, die ihre Kräfte selbst einschätzen können und wissen, wie sie mit ihren Rollen umgehen. Die Schlussproben sind ein gewaltiges Pensum, da muss ich Zeit einräumen zum Entspannen und zum Regenerieren der Stimmen.« In ihrem Regiekonzept und für die szenische Arbeit erwartet Fassbaender keine Einschränkungen: »Ich fordere sie heraus – genau wie Profis, sie wollen schließlich Profis sein oder werden, dann müssen sie auf der Bühne auch so arbeiten«, »Komödie ist mit das Schwerste.« 6 brigitte fassbaender erklärt sie. Vor Beginn der szenischen Proben coachte sie die jungen Sängerinnen und Sänger stimmlich und gesangstechnisch bei einer Meisterklasse; dabei gewann sie den Eindruck, »dass der größte Teil dieser Besetzung sehr motiviert und schauspielerisch interessiert ist – und auch in der Lage, Emotionen über die Rampe zu bringen. Sich in eine Rolle ganz hinzugeben, sich

Brigitte Fassbaender bei der Meisterklasse inmitten der Nachwuchstalente des Opernstudios: Chen Wang (Berta), Linard Vrielink (Graf Almaviva), Svetlina Stoyanova (Rosina), Martin Mkhize (Figaro), Misha Kiria (Bartolo). Nicht auf dem Foto ist Stanislav Vorobyov (Basilio). DER BARBIER VON SEVILLA in einem Charakter zu offenbaren, den man darzustellen hat, ist oft mit Scheu verbunden, doch dafür haben wir ja die Proben.« Auch die Genauigkeit der Diktion und Fassbaenders untrügliches Gespür für Text und Subtext, das ihre eigene Rollenporträts auszeichnete, kommen in der Probenarbeit zum Tragen. Aus vielen Jahren Unterricht kennt sie die Gefährdung junger Stimmen im schnelllebigen Opernbetrieb: etwa zu früh zu schwere Partien in zu großen Häusern zu singen, weil Intendanten mehr von Optik als von Stimmen verstehen oder das jugendliche Erscheinungsbild schwerer wiegt als die verantwortungsvolle Einschätzung der Stimmentwicklung. Die Konkurrenz ist groß, Nein sagen schwer – weiß Fassbaender, die bei ihrem Vater, dem Bariton Willy Domgraf-Fassbaender, durch eine gute Schule gegangen ist und selbst Verlockungen widerstanden hat. Sie macht keinen Hehl daraus, dass der Sängerberuf Verzicht verlangt – und Tugenden wie Konzentration, Disziplin und Vernunft. Was können junge Sänger am Barbier lernen? »Junge Sänger können an jeder Oper was lernen – für den Barbier braucht man eine ganz besondere Leichtigkeit und Spannkraft. Das hat nichts mit polterndem, robustem Singen zu tun, das ist ein Hochseilakt, denn neben der Virtuosität gibt es genauso große Emotionen wie sonst in der Oper. Wie immer geht es um die Liebe – aber Gott sei Dank nicht um den Tod, wie sonst so oft in der Oper! Es ist ein Verwirrspiel, stets gibt es Benachteiligte, deren Schicksal sich zum Glückhaften wendet. Der Barbier von Sevilla ist ein spannnendes zwischenmenschliches Geschehen auf einer sehr witzigen, charmanten Ebene. Oft sind in Rossinis Opern nicht sehr angenehme Zeitgenossen versammelt, auch im Barbier sind sehr skurrile Typen zu finden, und diese Charaktere zu entwickeln und gerade jungen, unroutinierten Sängern Mut zu machen, ganz darin aufzugehen, ist eine wichtige Aufgabe meiner Regie. Komödie interessiert mich immer, weil es mit das Schwerste ist – und ich gehe guten Mutes daran, denn die Musik ist herrlich ... « BRIGITTE FASSBAENDER war als Mezzosopranistin an allen führenden Opernhäusern der Welt zu Gast. 1995 beendete sie ihre Gesangskarriere, um sich der Regie zu widmen. 13 Jahre lang war sie Intendantin des Tiroler Landestheaters. Als gefragte Gesangspädagogin unterrichtet die Kammersängerin in Meisterkursen im In- und Ausland. OPERNSTUDIO AM KORNMARKT DER BARBIER VON SEVILLA Gioachino Rossini Premiere 13. August 2018 – 19.30 Uhr Vorstellungen 14., 16. & 18. August – 19.30 Uhr Theater am Kornmarkt Das Opernstudio wird präsentiert von GrECo Internaonal Risiko- und Versicherungsmanagement VMG Versicherungsmakler 7

Unsere Dokumente für Sie:

© 2021 Bregenzer Festspiele