Aufrufe
vor 1 Jahr

Festspielzeit Sommer Extra 2019

  • Text
  • Bregenzer
  • Oper
  • August
  • Festspiele
  • Leica
  • Musik
  • Rigoletto
  • Festspielhaus
  • Eugen
  • Onegin
  • Www.bregenzerfestspiele.com
Das Magazin der Bregenzer Festspiele

SPIEL AUF DEM SEE WENDY

SPIEL AUF DEM SEE WENDY HESKETH-OGILVIE und JAMIE OGILVIE gründeten vor 20 Jahren gemeinsam das Wired Aerial Theatre in Liverpool. Mit Leidenschaft und Kreativität werden dort stets neue Techniken entwickelt, die Künstlerinnen und Künstler zum Schweben zu bringen. In Rigoletto sind sie für die Umsetzung der Akrobatik und Stunt-Auftritte verantwortlich, Wendy führt in diesen Bereichen Regie. bisschen unbeholfen – später soll seine Figur in der Vorstellung vollkommen selbstbewusst auftreten, gefolgt von vier Affendarstellern aus dem Stunt-Team. Die rechte bewegliche Hand, die zum Kopf gehört, ist dabei längst nicht die höchste der hohen Herausforderungen für die Stuntleute. Richtig interessant wird es auf dem Kopf selbst, der für sich genommen schon eine Höhe von 13 Metern aufweist – und der über diverse Motoren gesteuert in seinem Bewegungsablauf noch höher emporragen kann. Mit größter Gelassenheit lässt sich ein Stuntman jetzt in eine Hängematte gleiten, die dort oben über den Schädel gespannt ist – natürlich gesichert. Während er hinabblickt, balanciert eine seiner Kolleginnen auf einer Slack-Line ebenfalls in luftiger Höhe. »Heuer ist es definitiv mehr«, sagt Wendy in Anbetracht der vielschichtigen Aufgaben, die sie und ihr Team mit Rigoletto erwarten. Der Grund dafür liegt in der Idee, die Operninszenierung in Zirkusatmosphäre einzubetten. Das bedeutet: Viel Bewegung, artistische Einlagen und natürlich Überraschungsmomente zu Lande, zu Wasser und in der Luft. Die wagemutigen Künstler und Künstlerinnen müssen sich also in jedem Element wie in ihrem eigenen Element fühlen. Und wie stellt man ein so internationales Team zusammen? »Wir haben insgesamt drei Castings veranstaltet«, sagt Jamie. In Liverpool, London und Bregenz. »Nicht ganz einfach, die passenden Leute zu bekommen«, sagt Wendy. »Es ist schon schwer genug, einen guten Jongleur zu finden – und noch viel schwerer, wenn er beim Jonglieren noch große Höhe aushalten können muss.« Mit Höhe kennen sich Wendy und Jamie allerdings bestens aus. Als Gründer des Wired Aerial Theatre in Liverpool bringen sie jede Menge Erfahrung aus ganz unterschiedlichen Bühnen-Shows verschiedener Sparten mit nach Bregenz. Jamie hat schon Künstlerinnen wie Lady Gaga und Pink sozusagen das Fliegen beigebracht. »Jamie als technischer Kopf unserer Company hat die Bungee-Assisted-Tanz-Technik erfunden«, sagt Wendy und klopft ihrem Mann auf die Schulter. Mit dieser speziellen Technik scheinen Figuren in spektakulären Shows nicht länger an die Schwerkraft gebunden zu sein. Plötzlich hängt die Stuntfrau, die eben noch auf der schwindelerregenden Slack-Line balanciert ist, in den Sicherheitsseilen. Ob dieses Manöver Zufall war oder Absicht? Jedenfalls beißt sie die Zähne zusammen und hievt sich zurück auf Position. Welcher Stunt am Ende der spektakulärste in der Rigoletto-Aufführung sein wird – darüber ist sich das Ehepaar einig. »Schlussszene«, sagt Wendy geheimnisvoll, aber bestimmt; »die Sache mit dem Ballon«, ergänzt Jamie. Der Fesselballon steigt immerhin auf 43 Meter Höhe und hat damit auf jeden Fall das Zeug für einen ganz besonderen Stunt. Aber wie und ab welchem Zeitpunkt finden die vielen Kletter-, Akrobatik- und Stunteinlagen ihren Weg in die Inszenierung? Wer entscheidet, welcher Effekt an welcher Stelle greifen soll? »Wir waren sehr früh eingebunden – und arbeiten im Prinzip schon seit eineinhalb Jahren mit Regie, Bühnenbild und Dramaturgie zusammen«, sagt Wendy. Ihr Beitrag sei nicht etwa eine definierte Leistung auf Bestellung. »Wir entwickeln das Stück gemeinsam mit«, sagt Jamie. Damit ist das Stuntteam Teil eines Prozesses, der bis zur Premiere im Fluss bleibt, bei dem Dinge sich verändern dürfen und sollen. Und verbessern: So wie der Einsatz der zwei Tenöre, die inzwischen mit großer Trittsicherheit über die bewegliche Hand des gigantischen Kopfes schreiten, gefolgt von einer grunzenden Bande von Affendarstellern. Als sei das für sie als Sänger das Natürlichste auf der Welt. 6

RIGOLETTO »Wir wagen etwas, riskieren aber nichts.« JAMIE OGILVIE Klettern, Abseilen, Springen, Fallen und jede Menge Akrobatik ... das Stunt-Team hat in Rigoletto gut zu tun. In den Proben wird alles so lange geübt, bis jeder Schritt und jeder Handgriff sitzt.

Unsere Dokumente für Sie:

© 2021 Bregenzer Festspiele