Aufrufe
vor 4 Jahren

Festspielzeit Winter 2016

  • Text
  • Bregenzerfestspiele
  • Kragh
  • Souza
  • Carignani
  • Holten
  • Devlin
  • Kub
  • Poesie
  • Lighthouse
  • Situation
  • Vorarlberg
  • Symphoniker
  • Orchesterkonzerte
  • Moses
  • Carmen
  • Festival
  • Festspielzeit
  • Festspiele
Das Magazin der Bregenzer Festspiele

IM RHYTHMUS DER

IM RHYTHMUS DER RAMMKÖPFE BEVOR MIT CARMEN EINE STARKE FRAU DIE SEEBÜHNE BETRITT, BEREITEN STARKE MÄNNER EIN STABILES FUNDAMENT UNTER WASSER CARMEN Es Devlin, britische Bühnenbildnerin und Szenografin, setzte schon viele bühnenstarke Frauen spektakulär in Szene. Sie gestaltete die Shows von Stars wie Adele, Beyoncé oder Shakira. In Bregenz zeichnet sie den Rahmen rund um eine Bühnenfigur, die 1875, als sie Georges Bizet das erste Mal präsentierte, die Gemüter erhitzte: Carmen, eine Frau, die weiß, was und wen sie will. Wie Es Devlin Carmens Spanien auf dem Bodensee darstellen wird, ist noch ein Geheimnis. Unter Wasser nimmt das Bühnenbild aber bereits Formen an. Noch sind es nicht die Rhythmen der »Habanera«, die auf der Seebühne den Takt angeben, sondern die dumpfen Schläge der Rammköpfe, die Fichtenpfähle aus dem Wasser holen oder in den Seegrund schlagen. Denn wie jedes Bauwerk braucht auch die Seebühne ein solides Fundament. Das schafft Bühnenmeister Markus Dreier mit seinem Team. Vier starke Männer, ein Schiff und zwei Kräne bilden das Ensemble für den ersten Akt der Bühnenarbeiten, die Pfahlgründung. Sind im frühen Herbst nach der Reprise des Spiels auf dem See noch Abbrucharbeiten angesagt, wird im Spätherbst gleichzeitig ab- und aufgebaut. Nun gilt es, Pfähle, im Fachjargon »Piloten« genannt, herauszuziehen und einzuschlagen. Wie Venedig oder die Speicherstadt Hamburg steht auch die Bregenzer Seebühne auf Holzpfählen. Markus Dreier verweist lieber auf die nähere Nachbarschaft: »Schon in frühester Geschichte haben die Menschen gewusst, wie stabil Holz ist und auf Holzpfählen gebaut, da müssen wir nur nach Unteruhldingen hinüberschauen, wo das Pfahlbaumuseum steht.« Die Pfahlbauten am deutschen Bodenseeufer reichen bis 4.300 vor Christus zurück. ALTE PFÄHLE MÜSSEN WEG Zurück zur Gegenwart. Je nach Bühnenbild werden bis zu 400 Fichtenpfähle benötigt. Die angespitzten Baumstämme sind maximal 14 Meter lang und haben Durchmesser von 30 bis 45 Zentimetern. Sie werden von den Festspieltechnikern und der Fußacher Hafenbaufirma Salzmann in den Seegrund geschlagen. Die Zahl dieser Piloten hängt vom Ausmaß des Bühnenbilds ab. Für Carmen werden 113 Pfähle benötigt. Kann man daraus schließen, dass das Bühnenbild kleiner und weniger aufwändig wird? »Kann man nicht«, sagt Markus Dreier und lässt sich keine Details zur Geheimsache Bühnenbild entlocken. Bevor man die neuen Holzstämme in den Boden treibt, müssen die alten entfernt werden. Ein Umstand, der Laien irritiert. Dreier erläutert: »Jedes Bühnenbild schaut anders aus, entsprechend unterschiedlich muss auch das Fundament gestaltet werden. Alte Piloten, die am falschen Ort stehen, würden stören.« Die meisten der entfernten Fichtenpfähle werden wiederverwendet. Recycling, wo immer es geht, ist eine der wesentlichen Devisen des Technikteams. »Ist ein Pilot zu kurz oder gar morsch, wird er zu Brennholz verarbeitet«, nennt Dreier eine weitere Nutzungsmöglichkeit. Vor der Wiederverwendung müssen Gewindeschrauben entfernt werden, händisch oder mit dem Schweißbrenner. »Die Löcher, die bleiben, dienen dann unter Wasser kleinen Lebewesen, Krebsen oder Fischen als Wohnung«, erzählt Markus Dreier. EINSATZ UNTER WASSER Er muss es wissen, ist er doch immer wieder als Taucher in der Unterwelt der Seebühne im Einsatz. Nicht jeder Zimmerer, der bei den Festspielen arbeitet, müsse Tau- 21

Unsere Dokumente für Sie:

© 2021 Bregenzer Festspiele