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Festspielzeit Winter 2022

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Das Magazin der Bregenzer Festspiele

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ANNÄHERUNG, ANVERWANDLUNG, ANEIGNUNG ORCHESTERKONZERTE DIE ORCHESTERKONZERTE DER BREGENZER FESTSPIELE 2023 Richard Strauss’ Vier letzte Lieder: Aufnahme der Uraufführung von 1950 in der Royal Albert Hall, London. Die Jahre um 1900 wurden schon immer als eine Zeitenwende verstanden, auch in der Musik. Die ausgereizte Romantik neigte sich ihrem Ende zu, moderne Strömungen lösten sie nach und nach ab. Die vier Orchesterkonzerte spüren dieser Umbruchphase nach und erinnern natürlich auch an die Gründung der Wiener Symphoniker als »Wiener Concertverein« im Jahr 1900. Es war eine spannende Zeit, in der alles nach Veränderung strebte – politisch wie gesellschaftlich. EINE KOMPONISTIN DER NEUEN WELT Auch die Rolle der Frau in der männerdominierten klassischen Musik wurde nun neu gedacht. So machte in den Vereinigen Staaten plötzlich die 1887 geborene Afroamerikanerin Florence Price als Komponistin Karriere. Gefeiert wurden ihre großformatigen Werke wie die erste Symphonie, uraufgeführt 1933 vom Chicago Symphony Orchestra. Das Werk trägt einen unerkennbaren »amerikanischen Ton« in sich, der im kulturellen Schmelztiegel USA immer ganz unterschiedliche Einflüsse vereint. Das originell instrumentierte Werk steht im Zentrum des zweiten Orchesterkonzerts der Wiener Symphoniker unter der Leitung von Dirk Kaftan. Der Generalmusikdirektor aus Bonn ergänzt sein Programm mit einem vokalen Glanzstück, Richard Strauss’ Vier letzte Lieder mit der Star-Sopranistin Marlis Petersen. Das Stücke wurde 1950 in London von der norwegischen Wagner- Sängerin Kirsten Flagstad unter Wilhelm Furtwängler uraufgeführt. Im Jahr zuvor war Strauss gestorben, deshalb nahm das Publikum diese Lieder als Abschiedsmusik wahr. Besonders das melancholische letzte »Im Abendrot« nach einem Gedicht Joseph von Eichendorffs wirkt wie ein wehmütiger Rückblick auf das romantische 19. Jahrhundert, in dem Strauss aufwuchs. DER HELD IM KONZERTSAAL Eine ganz andere Facette seiner Kunst offenbart Strauss’ kraftstrotzendes Heldenleben aus dem Jahr 1899, zu erleben im ersten Orchesterkonzert unter dem israelischen Dirigenten Omer Meir Wellber. Im Helden seiner Tondichtung, der gegen »Widersacher« kämpft und sich nach verkündeten »Friedenswerken« von der Welt 28

zurückzieht, spiegelte sich der bayerische Komponist selbst. Seine Kunst wurde damals ja nicht nur bejubelt. Als Strauss sein Heldenleben nach der Frankfurter Uraufführung erstmals an der Königlichen Oper Berlin dirigierte, »gab’s starkes Zischen« vom »allerkonservativsten Publikum«, berichtete er. Glücklicherweise applaudierten auch viele, sodass Strauss dann doch als Sieger vom Podium stolzierte – wie der Held seiner Tondichtung. Die beiden anderen Werke des ersten Orchesterkonzerts flirten hingegen mit der Barockmusik. So ist in Strauss’ Tanzsuite aus Klavierstücken von François Couperin der europäische Neoklassizismus der 20er-Jahre spürbar. Gut dazu passt die Uraufführung eines Werks des israelischen Komponisten Ayal Adler, der als Professor an der Jerusalem Academy of Music and Dance lehrt. Sein Konzert für Continuo und großes Orchester In Motion mischt die barocke Technik des freien Basso-Continuo-Spiels mit neuzeitlichen Klangeffekten zu einem faszinierenden Werk, in dem sich Improvisation und Komposition gegenseitig befruchten. ZWISCHEN AUFBRUCH UND ERINNERUNG Unterschiedliche Zeitebenen verbindet auch das dritte Orchesterkonzert der Wiener Symphoniker unter der französischen Dirigentin Marie Jacquot. Immerhin erinnert Maurice Ravel in seinen 1912 orchestrierten Klavierstücken Valses nobles et sentimentales an die Walzerfolgen Franz Schuberts und setzt damit der Wiener Musik ein Denkmal. Für den Aufbruch der polnischen Musik im 20. Jahrhundert Auch eine Uraufführung steht auf dem Programm der Orchesterkonzerte: Ayal Adler spielt in seinem Werk In Motion mit barocken Techniken und neuzeitlichen Klangeffekten. steht hingegen das dritte Violinkonzert der Komponistin Grażyna Bacewicz. Bei der Premiere im Jahr 1949 spielte sie selbst die Solo-Violine. Dieses Folklore und Moderne mischende Werk fügt sich gut in die damalige Zeit ein und überzeugt auch durch seine komprimierte Länge von gerade mal 20 Minuten Spielzeit. Mit Jean Sibelius steht außerdem einer der bedeutendsten Komponisten Finnlands im Fokus. Im Jahr 1900 gelang dem 34-Jährigen mit seiner ersten Symphonie der internationale Durchbruch. »Ein Werk, voll von ungehemmter Kraft, voll von leidenschaftlicher Lebhaftigkeit und erstaunlicher Waghalsigkeit«, urteilte der Musikkritiker Ferdinand Pfohl. EINE MATINEE VOLLER ÜBERRASCHUNGEN Auch der Tscheche Antonín Dvořák erlebte die Zeitenwende um 1900 als alter Mann mit. Seine achte Symphonie erklingt in der traditionellen Matinee des Symphonieorchesters Vorarlberg, geleitet von Chefdirigent Leo McFall. Das 1889 entstandene Werk versammelt viele Facetten des böhmischen Komponisten. So wechseln sich verträumte Stellen mit schmetternden Fanfaren, lustige Polka-Rhythmen mit dramatischen Passagen ab. Dvořák liebte übrigens die russische Kultur, auch wenn er lange vor Dmitri Schostakowitschs 1966 komponiertem zweiten Cellokonzert starb, das ebenfalls im Programm ist. Ein Werk, das für den legendären Cellisten Mstislav Rostropowitsch entstand. Den ganzen Zauber der Zeit um 1900 summiert freilich das die Matinee eröffnende Orchesterscherzo Der Zauberlehrling. Das farbenprächtige Werk komponierte der Franzose Paul Dukas im Jahr 1897. Es basiert auf Goethes berühmter Ballade, in der es heißt: »Die ich rief, die Geister, werd ich nun nicht los«. Die Worte wirken wie eine Vorausahnung des vom technischen Fortschritt geprägten 20. Jahrhunderts – der Fluch und Segen zugleich ist. Ob Dukas uns diese schöne neue Welt prophezeite? Eine Übersicht zum Programm der Orchesterkonzerte finden Sie in der Heftmitte. Die Orchesterkonzerte werden präsentiert von ORCHESTERKONZERTE 29

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