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Programm Così Fan Tutte 2015

Così fan tutte von Wolfgang Amadeus Mozart oder Die Schule der Liebenden Dramma giocoso in zwei Akten KV 588 (1790) Libretto von Lorenzo da Ponte In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln Premiere: 17. August 2015 – 19.30 Uhr Weitere Aufführungen: 18., 20. & 22. August – 19.30 Uhr

stehung der Oper liefern

stehung der Oper liefern könnten, bereits wenige Jahre nach der Uraufführung verblassten oder völlig in Vergessenheit gerieten. Diese Tatsache trug dem Werk den Ruf ein, beiläufig und frivol, geschmacklos oder dekadent zu sein, da man aus dem Fehlen konkreter Entstehungsumstände auf Mängel des Sujets schloss. Der Umkehrschluss ist richtig. Handlung und Fabel von Così fan tutte waren den Zuhörern zu Mozarts Zeit so präsent und vertraut, dass es keiner besonderen Rezeption bedurfte, um die Oper einem aufgeschlossenen und kritischen Publikum nahezubringen. Mozart soll den Auftrag zu Così fan tutte im Spätherbst 1789 von Kaiser Joseph II. erhalten haben, nicht lange, nachdem vom 29. August an eine erfolgreiche Aufführungsserie von Le nozze di Figaro seinen Namen wieder stärker ins Bewusstsein des Wiener Adels gerückt hatte. Die Wette geht angeblich auf einen im Karneval vorgefallenen Skandal aus Wiener Offizierskreisen zurück. Die Vermutung, Così fan tutte könne tatsächlich im Auftrag des Kaisers entstanden sein, ist dabei keineswegs abwegig, bedenkt man das Vertrauensverhältnis Josephs II. zu Mozart, mehr noch zu da Ponte. Da Antonio Salieri 1789 allein drei Opern zur Aufrechterhaltung des Spielbetriebes am Nationaltheater beisteuerte, lässt sich vermuten, dass der Kaiser das seine tat, um mit einem neuen Opernauftrag an da Ponte und Mozart ein Gegengewicht herzustellen, ohne mit einer solchen Initiative offiziell in Verbindung gebracht werden zu wollen. Ohne Zweifel hätte es großes diplomatisches Geschick verlangt, dem Repertoirebetrieb des Hoftheaters ein brisantes Gegenwartsstück wie Così fan tutte einzuverleiben. Der Komponist jedenfalls setzte Così fan tutte in der eigenen Beurteilung hoch an. Treueproben als Gegenstand dramatischer Erörterung finden sich in Werken von Ovid, Boccaccio und Cervantes und ließen sich von einem genauen Kenner antiker und klassischer Literatur wie da Ponte variantenreich erneuern. Mozart kannte als genauer Beobachter des Theaterlebens seiner Zeit genügend Stoffe, die sich mit Treueproben beschäftigten. Maskeraden, Wetten und Theaterspiele zur Vertreibung der Langeweile und des Müßigganges hatten in den adligen Salons reiche Tradition. Così fan tutte ist ohne Zweifel ein ironischer Kommentar auf eine sich zunehmend selbstgenügende, dekadente Gesellschaft. […] Hinter der heiteren 22

Fassade eines Rokokospieles kommen die selbstzerstörerischen Kräfte der höfischen Gesellschaft zum Vorschein. In Così fan tutte werden jene „vulkanischen Kräfte“, die Figaro im Schlosspark des Grafen Almaviva im vierten Akt von Le nozze di Figaro beschworen hatte, zu unberechenbaren, nach Eigengesetzlichkeiten reagierenden Elementen einer Chemie der Seelen. Absolutismus, Aufklärung und technisches Zeitalter verbinden sich für den Augenblick eines utopischen Theaterspieles zu einem explosiven Gemisch. Wolfgang Willaschek VON DER ZWANGSLAGE DER HERZZEN 23

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