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Programmheft Hoffmanns Erzählungen 2015

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Oper im Festspielhaus 2015 Hoffmanns Erzählungen von Jacques Offenbach Phantastische Oper in fünf Akten In französischer Sprache mit deutschen Übertiteln Libretto von Jules Barbier nach dem Schauspiel von Jules Barbier und Michel Carré Premiere: 23. Juli 2015 - 19.30 Uhr Weitere Aufführungen: 26. Juli - 11.00 Uhr sowie 30. Juli, 2. und 6. August - 19.30 Uhr

Antonias Vater ist

Antonias Vater ist Geigenbauer und reiste in Hoffmanns Rat Krespel nach Italien, getrieben von der „bis zur Leidenschaft gesteigerte[n] Liebhaberei, die besten Geigen alter Meister aufzusuchen und zu kaufen“. Immer wieder wird in Offenbachs Oper die Musik selbst zum Protagonisten und erzeugt zahlreiche Ebenen in der Architektur des Werks. Spalanzani lässt seine Puppe Olympia mit atemraubenden Koloraturen beeindrucken. Gemeinsam mit dem inhaltsarmen Text betrachtet, wird mit dieser Arie auch die Tradition des Belcanto ad absurdum geführt, in der das Publikum nach Spitzentönen und Koloraturen schielte. Olympia, Antonia und natürlich die Sängerin Stella werden durch ihren Gesang für Hoffmann zum erotischen Objekt. Es ist der Gesang, der aus Hoffmanns männlicher Perspektive den Zugang zum Körper der Frau ermöglicht. Sicher nicht grundlos ist Rat Krespel in Hoffmanns Erzählung Geigenbauer: Die hohe Frequenz des Instruments erinnert an eine Frauenstimme. Zwar gelang es ihm, durch sein „höchst ausdrucksvolles Violinspiel“ die Sängerin Angela – Antonias Mutter – zu gewinnen, doch als er einmal unermüdlich weitergeigte anstatt sich ihr zärtlich zu widmen, „schrie sie auf, riss ihm die Geige aus der Hand und zerschlug sie an dem Marmortisch in tausend Stücke.“ Jacques Offenbach selbst spielte ein Streichinstrument und reüssierte in den Pariser Salons als Cellovirtuose, bevor er sich Zugang zur Theaterwelt verschaffen konnte, der ihm lange verwehrt blieb. Der in Köln geborene Musiker spielte zwar im Orchester der Pariser Opéra-Comique, doch sah er dort keine Möglichkeiten, sich als Komponist zu entwickeln, und verließ diese Position wieder. „Seine Sehnsucht war das Theater, – nicht seine Sehnsucht bloß, sondern der Wachtraum, in dem er lebte“, ist in Siegfried Kracauers Jacques Offenbach und das Paris seiner Zeit zu lesen. „Von ihm gegängelt, hatte er nichts versäumt, was ihn seinem Ziel näher zu bringen vermochte. Er hatte die in der Opéra-Comique erworbenen Beziehungen ausgebaut; er hatte sich trotz seiner Salontourneen dauernd unter Sängern, Sängerinnen und Librettisten bewegt. Das alles kostete ihn gar keine Mühe; im Gegenteil, dank seinem leichten Temperament, seinem hellen gutartigen Witz und seinem Hang zu Eulenspiegeleien trudelte er mit der größten Selbstverständlichkeit durch die Kreise der Theater- Bohème“. Doch da „es ihm anscheinend verwehrt war, unsterbliche Werke für die Bühne zu schaffen, beschloss er wenigstens als Konzertvirtuose die Öffentlichkeit zu erobern.“ Diese langen Wege zu 24

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