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Programmheft Staatsoperette 2016

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Werkstattbühne Staatsoperette von Otto M. Zykan Staatsoperette - Die Austrotragödie In zwei Akten, eine Bearbeitung der Staatsoperette von Franz Novotny und Otto M. Zykan (1977) durch Michael Mautner und Irene Suchy (2015) Uraufführung Premiere: 2. August 2016 - 20.00 Uhr Weitere Aufführung: 4. August - 20.00 Uhr Dauer: ca. 1¾ Stunden

I Instrumentation Die

I Instrumentation Die Musik zur Fernseh-Staatsoperette ist komponiert für ein 80-köpfiges Symphonieorchester und einen großen Konzertchor. Diese große Besetzung wäre für die Bühnenfassung nicht nur aus finanziellen Gründen problematisch; im Fernsehen lässt sich die Lautstärke leicht manipulieren, auf der Bühne hingegen nicht. So wurde die Bühnenfassung Staatsoperette – Die Austrotragödie für ein Instrumentalensemble und einen Kammerchor geschrieben, mit dem Anspruch, die Farbigkeit und Dichte der Originalpartitur beizubehalten. Die Anzahl der Gesangsolisten ist für die Bühnenfassung sogar um zwei Frauenrollen – »Die Linke« und »Die Rechte« – erweitert. J Justizpalastbrand Am 15. Juli 1927, am Tag, nachdem ein Geschworenengericht drei Mitglieder der Frontkämpfervereinigung Deutschösterreichs vom Mord an zwei Schattendorfer Bewohnern freigesprochen hatte, protestierten Arbeiter und Arbeiterinnen vor dem Parlament und wurden von der berittenen Polizei zum Justizpalast abgedrängt. Aus der Notlage der Bedrängnis der mit Säbeln bewaffneten Polizei stürmte die protestierende Menge in den Justizpalast, schlug Fensterscheiben ein und setzte Akten in Brand. Die bereits getroffenen Vorkehrungen zur Löschung des Brands wurden durch den erteilten Schießbefehl des Polizeipräsidenten Johann Schober zunichte gemacht. Der Brand forderte annähernd 100 Todesopfer sowie Tausende Verletzte. Als Folge des Justizpalastbrandes wurde der republikanische Schutzbund verboten, außerdem der sozialdemokratische Bürgermeister Karl Seitz des Amts enthoben, die Wiener Polizei ihrer Spangenkorbsäbel entledigt, mit Gummiknüppeln ausgestattet und angewiesen, Schläge auf den Kopf zu vermeiden. Zahlreiche Staatsverträge und Akten der österreichischen Geschichte sind daher nur in angesengtem Zustand erhalten. 12

K Koloman Wallisch Koloman Wallisch, sozialistischer Nationalrat, war zeitweilig Führer des republikanischen Schutzbunds und der Arbeiterschaft. Er führte 1931 in Bruck an der Mur die Arbeiter und Arbeiterinnen gegen den Pfrimer-Putsch an. Mit seiner Linie des bewaffneten Kampfes stand er im Widerspruch zu anderen Funktionären seiner Partei. Im Zuge der Februarkämpfe 1934 musste er dem österreichischen Bundesheer weichen; Bundeskanzler Dollfuß intervenierte persönlich für ein Todesurteil. Wallisch wurde noch am Tag der Verhandlung gehängt. Bertolt Brecht dichtete in seiner Koloman Wallisch Kantate: »Denn er wird kämpfen für die Sache des Feindes, wer für seine Sache nicht gekämpft hat.« ABC L Libretto Das »Büchel«, wie Wolfgang Amadeus Mozart es nannte, ist Textgrundlage für ein musikalisches Bühnenwerk. Der Plan, aus der Staatsoperette von 1977, bei der aufgrund von Kürzungen der Produktionszeit wesentliche Teile nicht realisiert werden konnten, eine bühnentaugliche Fassung zu machen, beinhaltete von Anfang an eine Erweiterung des Texts. Für die 2016 uraufgeführte Bühnenfassung, die aufgrund rechtlicher Vereinbarungen den Titel Staatsoperette – die Austrotragödie erhielt, wurden folgende Quellen verwendet: A – Pompe Funebre (1973, Vorstufe) B – Staatsbegräbnis (1974, 1. szenische Fassung, unvollständig) C-1 Drehbuch zu Staatsoperette (1976, 2. szenische Fassung, unvollständig) C – Transkribierter Film (1977) D – Konzertfassung, autographes Material (2000) Die Fassungen A und B stammen von Franz Novotny, ab der Fassung C sind Gesangstexte von Zykan enthalten. Die Fassung D stammt ausschließlich von Zykan. Auf dieser Basis haben Irene Suchy und Michael Mautner das neue »Büchel« erstellt. Dabei wurde auch ein Manko des Werks behoben: das völlige Fehlen von tragenden Frauenrollen. In einer Art Doppelconférence begleiten »Die Linke« und »Die Rechte« das Geschehen mit erläuternden Dialogen und gesungenen Reflexionen. Das Werk umfasst jetzt zwei Akte und beinhaltet die Figur eines Kommentators. Die Namen der Hauptpersonen sind auf die historischen Namen zurückgeführt. Dieses Libretto ist gemeinsam mit anderen Libretti Zykans im Band Zykan Staat Kunst, herausgegeben von Irene Suchy, im Hollitzer Verlag erschienen. 13

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