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Programmheft Staatsoperette 2016

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Werkstattbühne Staatsoperette von Otto M. Zykan Staatsoperette - Die Austrotragödie In zwei Akten, eine Bearbeitung der Staatsoperette von Franz Novotny und Otto M. Zykan (1977) durch Michael Mautner und Irene Suchy (2015) Uraufführung Premiere: 2. August 2016 - 20.00 Uhr Weitere Aufführung: 4. August - 20.00 Uhr Dauer: ca. 1¾ Stunden

Etwa ein Drittel der

Etwa ein Drittel der Szenen ist neu. Die Musik für diese Szenen sind zum Teil Fundstücke aus dem Zykan-Archiv (»Faschistenmarsch« in Szene 2, »Sozialistisches Kampflied« in Szene 3) oder Neukompositionen mit Material aus Zykans Werkstätte. Als Pasticcio-Prinzip wird jenes Verfahren bezeichnet, in dem man Stücke aus älteren Werken für neuere verwendet, meist leicht umgearbeitet. Dieses Prinzip ist so alt wie die Kompositionslehre selbst. Zur Barockzeit hatten Komponisten wie Georg Friedrich Händel ganze Opern aus älteren Stücken zusammengestellt. Diese Pasticcio- bzw. Paraphrasentechnik wandte Zykan selbst bei den meisten seiner Bühnenwerke an. Statt künstlicher Nachahmungen wurden für die Ergänzungen der Staatsoperette eigenständige Kompositionen auf Basis von originalem Material angefertigt. Es wurde also durchaus im Sinne des Meisters agiert. Beispiele Die Szene 4 »Schattendorf« basiert zu Anfang auf dem Lied »Place du caroussel« aus Auszählreim. Es ist vielleicht gar kein Zufall, dass die Textpassage, in der Seipel über sich räsoniert, genau zu dem Rhythmus des Liedes passt: 24

ZUR ENTSTEHUNG DER BÜHNENFASSUNG Alle musikalischen Ergänzungen wurden nach diesem Muster vorgenommen, auch kürzere musikalische Verbindungselemente aus Motiven oder Passagen nach einer Vorlage Zykans gestaltet. Man könnte sagen, die Bühnenfassung ist durchaus von Zykan, aber zu einem Drittel nicht von seiner Hand. Zykan sagte einmal, dass er bei der Staatsoperette einen neuen Stil für sich erfinden musste. Das stimmt nicht und stimmt doch wieder. Es stimmt nicht, weil die Staatsoperette zwar in jedem Moment bester, aber nicht unbedingt zeitgenössischer Zykan ist. Und es stimmt doch wieder, weil er selbst diesen Eindruck haben musste. Zum ersten Mal schöpfte er nicht allein aus sich selbst und seinen eigenen Ansprüchen, sondern war angehalten, Elemente der operettenhaften Populärmusik einzubringen. Dass dies kein Widerspruch sein muss, hat er eindrucksvoll bewiesen. Darin einzutauchen war eine Herausforderung und ein großes Vergnügen. Michael Mautner 25

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