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Programmheft The Situation 2017

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Theater am Kornmarkt The Situation von Yael Ronen & Ensemble The Situation (2015) von Yael Ronen & Ensemble In englischer, deutscher, hebräischer und arabischer Sprache und mit deutschen und englischen Übertiteln Premiere: 26. Juli 2017 - 19.30 Uhr Dauer: 1 ½ Stunden (ohne Pause)

YAEL RONEN THERAPEUTIN

YAEL RONEN THERAPEUTIN MIT SITUATIONS- HINTERGRUND Bei Shermin Langhoff, der Intendantin des Maxim Gorki Theaters, hängt ein Kunstwerk von Silvina Der-Meguerditchian, auf dem steht »Dert var gelir geçer, dert var deler gider« – Es gibt Sorgen, die kommen und gehen, und es gibt Sorgen, die kommen, hinterlassen ein Loch und gehen dann. Diese Löcher untersucht Yael Ronen in ihren Stücken. Das tut sie wie eine Therapeutin, eine Schamanin, eine Vermittlerin zur Geisterwelt, die spirituelle Fähigkeiten zur Heilung besitzt. Ihre Proben sind Prozesse, in denen sich die Beteiligten ihren Geistern stellen, den Geistern, die besagten Löchern entspringen. Sie schreckt nicht davor zurück, eigene offene Wunden und die der Schauspieler*innen zu berühren, denn sie weiß, erst die Berührung kann Heilung bewirken. Die Theaterstücke, die in diesen Prozessen entstehen, werden von Yael Ronen gern als Nebenprodukte bezeichnet. Dies ist nicht kokett, denn meistens sind wir wirklich überrascht, dass zum Premierentermin ein Stück auf der Bühne steht. Denn im Vordergrund steht für Yael Ronen immer der Arbeitsprozess, bei dem alle Beteiligten etwas Neues über sich selbst und die Welt herausfinden sollen. Er soll eine Tür in unserem Leben öffnen, die sich nie wieder schließen lässt. 10

Wie entsteht nun ein Stück von Yael Ronen? Wie entstand The Situation? Bevor ich über The Situation schreibe, möchte ich kurz von Dritte Generation und Common Ground erzählen, den Stücken, die Yael Ronen als »Cousins« von The Situation bezeichnet. Dritte Generation entwickelten wir 2008|09 beim Festival Theater der Welt in Halle, an der Schaubühne Berlin und dem Habima Theater Tel Aviv. Wir wollten herausfinden, wie sich (damals noch relativ) junge deutsche, israelische und palästinensische Schauspieler*innen der dritten Generation nach dem Holocaust und der Nakba begegnen. Voneinander wussten wir nicht viel und noch weniger, wie man ein Theaterstück aus dieser puren Neugier machen kann. Wir hatten das Glück, dass die Festival- und Theaterleitungen dieses Interesse teilten und uns Geld für einen vierwöchigen Rechercheworkshop gaben, an dessen Ende eine Präsentation stehen sollte, egal wie sie aussieht. Yael und ich fanden Schauspieler*innen, die abenteuerlustig genug für diese Begegnung waren. Wir trafen uns in Tel Aviv, fuhren nach Jerusalem, Hebron und Berlin. IRINA SZODRUCH Es ist kaum zu glauben, aber die Probenarbeit von Yael Ronen beginnt mit nichts außer einem Gedanken, einem Titel und einer Gruppe. Sie will in ihrer Arbeit wirklich wissen, was andere denken, fühlen und wie sie die Welt erleben. Sie stellt dabei einfache direkte Fragen, die die Schauspieler*innen provozieren, große komplexe private Geschichten zu teilen. Meist erzählt sie als erste ihre peinlichsten und unangenehmsten Erfahrungen. So schafft Yael Ronen einen sicheren Raum, in dem über die intimsten Dinge gesprochen werden kann. Wir luden für die Recherche zu Dritte Generation ein Dutzend weiterer Experten ein und hatten wieder Glück – unter ihnen war Dar Bar-On, Psychologe und Experte zum Dialog in Konfliktsituationen. Er brachte uns bei, wie man einander zuhört, auch wenn das Gegenüber eine Wahrheit vertritt, die das komplette Gegenteil dessen ist, woran man selbst glaubt. Das Zuhören auszuhalten wurde eine von unseren zwei wichtigsten Waffen. Die andere ist Humor. Je schwerer die Themen, desto mehr Humor muss man entwickeln. Damit ausgestattet geschah unser »Wunder von Halle«: In der letzten Woche des Workshops wollten wir eigentlich nur eine Präsentation vorbereiten. Es entstand ein eineinhalbstündiges Theaterstück. Damals war dies bestimmt 11

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