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Programmheft To The Lighthouse 2017

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Werkstattbühne To the Lighthouse von Zesses Seglias Kammeroper in drei Teilen Libretto von Ernst Marianne Binder nach Virginia Woolf In englischer Sprache mit deutschen Übertiteln Uraufführung Premiere: 16. August 2017 - 20.00 Uhr Dauer: 1 ½ Stunden (ohne Pause)

Verzweiflung in wilder

Verzweiflung in wilder und fast penetranter Art und Weise vor. In diesem Moment der Oper ist die Zeit schon verzerrt. Wir als Publikum befinden uns nicht mehr in einer Eins-zu-Eins-Situation. Eher erleben wir eine andere Dimension von Zeit, in der eine unmenschliche Kreatur mehr und mehr nur zu ihrer Stimme wird. Bei Mrs McNab nahm ich mir alle Freiheiten, die ich glaubte zu benötigen. Zusätzlich gibt es einen zweiten, aufgenommenen Teil, der zu der Live-Aufführung gespielt wird. Dadurch soll ihre monströse Stimme verstärkt werden. Sehr unterschiedliche Komponisten haben die Behandlung der Stimme in dieser Oper inspiriert. Außer Salvatore Sciarrino, Luciano Berio, Beat Furrer gehören auch Demetrio Stratos, Diamanda Galas, Tom Waits und Nick Cave dazu. Wie haben diese Künstler die Komposition beeinflusst? Über die gesamte Musikgeschichte hinweg ist die Stimme auf verschiedene Weisen behandelt worden. Von antiken Ritualen zu barocker Rhetorik, von tibetischen Mönchen bis zur Popkultur – Inhalt durch Klang hervorzubringen und umgekehrt war schon immer faszinierend. Es ist nicht mehr nötig und schon lange kein Tabu mehr, mich auf das Gebiet der sogenannten zeitgenössischen Musik zu beschränken. Aus meiner Sicht wäre das dumm. In diesem Sinn dokumentiere ich. Ich versuche mir so viele unterschiedliche Dinge wie möglich anzuhören und den eigenen Weg jedes Künstlers zu erkennen. Offenkundig gibt es Fälle wie die genannten, die ich attraktiver finde als andere. Am Ende muss es aber das Ziel sein, meinen eigenen Weg zu finden, um das zu erfüllen, woran ich glaube. Auf der anderen Seite wäre es anmaßend, nicht denjenigen Respekt zu zollen, die meinen Horizont erweitert haben. Schon während des Entstehungsprozesses haben die Musiker des Symphonieorchesters Vorarlberg einige Ausschnitte aus der Komposition gespielt. Die Instrumentation der Oper schließt auch Instrumente wie Saxophon, E-Gitarre und Akkordeon ein, die klassischerweise nicht zu einem Symphonieorchester gehören. Was ist das Konzept für das »große Ensemble«, wie es in der Partitur genannt wird? 26

Die Verwendung des Ensembles in To the Lighthouse birgt zahlreiche Rollen: Manchmal erzeugt es eine Klanglandschaft für die menschlichen Stimmen, manchmal kommentiert das Ensemble den Text und die Geschichte, manchmal wird es zu einer großen Meta-Stimme. Zu jeder gegebenen Zeit dient es jedoch der übergeordneten Dramaturgie. Der Hauptgrund, warum mir ein großes Ensemble von 18 Musikern erforderlich schien, waren die unterschiedlichen Gestaltungsmöglichkeiten, die es mit sich bringt: Sowohl orchestrale Strukturen als auch kleinere Besetzungen lassen sich verwenden. Für die Instrumente entschied ich mich schlichtweg, weil mir deren Klang gefällt. Die Fragen stellte Olaf A. Schmitt. ZESSES SEGLIAS 27

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