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Programmheft Turandot 2016

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Spiel auf dem See Turandot von Giacomo Puccini Premiere: 21. Juli 2016 - 21.15 Uhr Lyrisches Drama in drei Akten und fünf Bildern (1926) Libretto von Giuseppe Adami und Renato Simoni Schlussduett und Finale vervollständigt von Franco Alfano In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

anmutet an dieser Musik,

anmutet an dieser Musik, ist meistens Puccinis Vorstellung von fremdartigen Klängen. Dazu gehören das Xylophon des Mandarins am Beginn der Oper genauso wie die instrumentalen Farben von Glockenspiel, Xylophon und Celesta in der großen Szene von Ping, Pang und Pong im zweiten Akt. Puccini nannte diese drei Minister nur „Masken“, da Carlo Gozzi sie den Typen der Commedia dell’arte entlehnt hatte. Gerade mit diesen Figuren wollte der Komponist etwas Besonderes ausdrücken, wie er Adami schrieb: „Klug eingesetzt, könnte es sein, dass die Masken auch ein heimisches Element in die Sache hineinbringen und dem ganzen chinesischen Manierismus etwas Lebenswahres entgegenstellen.“ Als „lebenswahr“ hätte Puccini seine beiden Hauptfiguren nicht bezeichnet. Sowohl Turandot in ihrem kalten Panzer als auch Calaf in seiner besessenen Liebe sah er „sozusagen außerhalb dieser Welt stehen“, wie er in einem Brief zwei Monate vor seinem Tod äußerte. Auch musikalisch überschreiten die beiden sämtliche Grenzen, ihr großes Duett in der Rätselszene wird zu einem „expressiven Kräftemessen“ (Marelli). „Drei sind die Rätsel, eines ist der Tod!“, singt Turandot. Calaf greift Turandots Melodie auf, setzt sie eine kleine Terz nach oben und wendet sie ins Positive: „Drei sind die Rätsel, eines ist das Leben!“ Michael Horst beschreibt in seinem Opernführer zu Turandot anhand dieser Stelle, wie Puccini Takt für Takt die Spannung erhöht: „Er krönt diesen faszinierenden Moment, indem beide Widersacher Aug‘ in Aug‘ gemeinsam die Phrase wiederholen – und dabei auf dem magischen hohen C ihre ganze vokale Potenz zur Schau stellen. Das ist ein bisschen marktschreierisch, und dennoch kann man sich als Zuhörer der Faszination dieses Höhepunktes kaum entziehen.“ Kaum hat der unbekannte Prinz die Rätsel gelöst und Turandot ihren Vater angefleht, sich nicht in dessen Arme werfen zu müssen, stellt Calaf ihr selbst ein Rätsel – zu einer bisher unbekannten, zarten Melodie. Seine berühmte Arie „Nessun dorma“ klingt hier schon an und Calaf macht deutlich, dass er nichts Geringeres als Turandots wahre Liebe begehrt. Die Wandlung der Prinzessin zur aufrecht liebenden Frau konnte Puccini nicht mehr komponieren. Seine Vorstellung vom abschließenden Liebesduett aber formulierte er im schon zitierten Brief zwei Monate vor seinem Tod: „Es muss ein großes Duett sein. Diese beiden Wesen, die sozusagen außerhalb dieser Welt stehen, kehren durch die Liebe unter die Menschen zurück, und diese Liebe muss […] von allen Personen auf der Bühne Besitz ergreifen.“ Der Nachwelt hatte Puccini damit eine beinahe unlösbare Aufgabe hinterlassen. Auf insgesamt 36 Seiten hatte er das Finale von Turandot skizziert. Der Dirigent Arturo Toscanini beauftragte gemeinsam mit Puccinis Sohn Tonio und dem Verlag Ricordi den Komponisten Franco Alfano, aus Puccinis Skizzen die Oper zu vervollständigen. Alfanos Ende befriedigte Toscaninis Vorstellungen nicht, er wies den Komponisten an, es um ein gutes Viertel zu kürzen. Bei der Bregenzer Aufführung wird Alfanos Finale in der gekürzten Fassung gespielt, allerdings mit einer Einfügung aus der ersten Version, wo nach Calafs Kuss das Orchester Turandot etwas mehr Zeit gibt, diese emotionale Erschütterung zu verarbeiten. In dieser ersten Fassung spricht sie noch von einem Schauder, den sie spürt. Mit dem Ausruf „Lass mich!“ weist sie Calaf von sich, doch singt im selben Takt ein „No!…“. Ihr Zögern mündet schließlich in die Arme des unbekannten Prinzen. Nun habe sie dessen Namen gefunden, sagt Turandot zu ihrem Vater: „Sein Name ist … Liebe!“ So gewaltsam Turandot die Männer zuvor von sich fern gehalten hat, so leidenschaftlich liebt sie nun. Turandot geht nicht mehr an ihrer Liebe zugrunde, wie so viele Frauenfiguren vor ihr in Puccinis Oeuvre. Ihre Liebe wird von allen bejubelt und gefeiert. Als große Primadonna in der Operngeschichte folgt ihr keine Figur nach. „Turandot sollte die allerletzte sein, gewaltiger, heroischer und größer als alle anderen“, erklärt Marco Arturo Marelli. Nicht zuletzt deshalb ist Puccinis letzte Oper bis heute „einzigartig“. Olaf A. Schmitt 31 TURANDOT

ZEICHNUNGEN VON CONSTANCE HOFFMAN FIGUREN »Niemand soll mich je haben.« Das hat sich die chinesische Prinzessin geschworen. FIGURINEN 32

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